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Handelsstreit Absolutes Horrorszenario für Mexiko

Die USA sind Mexikos wichtigster Handelspartner. Das wechselseitige Verhängen von Strafzöllen ist der vorläufige Tiefpunkt der Handelsbeziehung zwischen den Nachbarstaaten.

Mexiko
Das mexikanische Wirtschaftsministerium kündigte seinerseits Strafzölle an, u.a. auch auf Blaubeeren. Foto: rtr

Die mexikanische Regierung wusste, was da aus Washington kommen würde und war gut vorbereitet. Kaum zwei Stunden nach der Ankündigung von Strafzöllen auf mexikanischen Stahl und Aluminium seitens der USA war am Donnerstag die Vergeltung auch schon in der Welt. In einer Nachricht kündigte das Wirtschaftsministerium seinerseits Strafzölle auf Flachstahl aus den USA an, ferner auf Schweinebäuche und zahlreiche landwirtschaftliche Produkte wie Trauben, Äpfel, Blaubeeren und verschiedene Käsesorten. Und Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo setzte noch einen drauf: „Die Maßnahmen bleiben so lange in Kraft, bis die US-Regierung ihre Zuschläge wieder zurücknimmt“, sagte er. Donald Trump schieße sich „mit den Maßnahmen in den eigenen Fuß“. Es war ein Satz, hinter dem Guajardo seinen Ärger nur schwer verstecken konnte.

Deutlicher noch wurde José Luis de la Cruz, Direktor des Wirtschaftsforschungsinstituts IDIC. „Wir befinden uns in einem Handelskrieg“, orakelte er. Verhandlungslösungen mit den USA würden immer weniger wahrscheinlich. Ein Jahr lang habe Mexiko versucht, einen drohenden Handelskonflikt mit dem Nachbarn im Norden auf diplomatischem Weg zu vermeiden. „Aber es hat sich gezeigt, dass das mit Donald Trump als Präsident nicht funktioniert“, sagte de la Cruz.

Aber ein Handelskrieg mit dem wichtigsten Wirtschaftspartner ist für Mexiko ein absolutes Horrorszenario, denn die Ökonomie des Schwellenlandes lebt von der Exportwirtschaft. Und 80 Prozent der Ausfuhren Mexikos gehen in die Vereinigten Staaten. Dementsprechend fiel der mexikanische Peso schon kurz nach Ankündigung der Strafmaßnahmen Washingtons am Donnerstag um 1,5 Prozent auf den tiefsten Stand seit Februar 2017.

Das wechselseitige Verhängen von Strafzöllen ist der vorläufige Tiefpunkt einer Handelsbeziehung zwischen den Nachbarstaaten, die seit dem Amtsantritt von Trump immer schlechter wurde. Seit rund einem Jahr verhandeln Mexiko und Kanada mit Washington vergeblich über eine Aktualisierung der Freihandelszone Nafta, welche die drei Länder seit fast einem Vierteljahrhundert wirtschaftlich verbindet. Aber bisher konnte keine Einigung mit den USA erzielt werden. Diese dürfte jetzt in noch weitere Ferne gerückt sein. Guajardo betonte, für seine Regierung sei es wichtig, einen neuen Nafta-Vertrag zu unterzeichnen, der „Sinn für Mexiko ergibt“. Mit Drohungen oder der Einbeziehung anderer Themen erreiche Trump sein Ziel nicht. Damit bezog sich der Minister auf das Vorhaben der USA, eine Grenzmauer zu Mexiko zu bauen.

Die größte Angst der Mexikaner jetzt ist, dass Trump auch Ernst macht bei Strafzöllen auf Autos oder Autoteile. Es wäre der größte Schlag für den südlichsten Nafta-Staat, denn die Automobilbranche ist der wichtigste Industriesektor des Landes mit fast 100 Milliarden Dollar Umsatz jährlich. 2017 hat Mexiko vier Millionen Pkw produziert und war damit siebtgrößter Autobauer. Bald aber schon sollen Indien und Südkorea eingeholt werden. Und wichtiger noch ist: Mexiko ist der viertgrößte Exporteur. Hauptabnehmerland sind mit großem Abstand die USA. Im Moment weiß man in Mexiko-Stadt nur eines ganz sicher. Trump macht Ernst mit seinen Drohungen.

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