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Handelskonflikt Trump bringt Handel ins Stocken

Handelskrieg: Weltbank, IWF und WTO fürchten soziale Probleme.

Christine Lagarde
Christine Lagarde, Chefin des IWF, will den Welthandel modernisieren. Foto: afp

Den Namen dessen, der für die derzeitigen Konflikte hauptverantwortlich ist, nimmt auf dem Forum keine Rednerin und kein Redner in den Mund. Aber natürlich geistert er durch den Raum im vornehmen Laguna Hotel in Nusa Dua auf Bali. Am Rande der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank suchen IWF-Chefin Christine Lagarde, Weltbank-Präsident Jim Yong Kim, Roberto Azevedo, Chef der Welthandelsorganisation WTO, und Angel Gurria, Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nach Lösungen für das Thema, das derzeit das weltweite Wachstum hemmt und für politische Missstimmung sorgt: die von US-Präsident Donald Trump angezettelten Handelskonflikte.

Der IWF hat auf der Jahrestagung seine Prognose für das Wachstum erkennbar reduziert, viele Schwellenländer haben Probleme – weil der Welthandel ins Stocken geraten und der Protektionismus auf dem Vormarsch ist. Azevedo zufolge könnte das Volumen des Welthandels um 17,5 Prozent einbrechen, sollte es zu einem wirklichen Handelskrieg zwischen den USA und China kommen. Das weltweite Wachstum könnte im Schnitt um 1,9 Prozent gedrückt werden. Durch die bislang gegenseitig verhängten und angekündigten Zölle wird die Wirtschaftsleistung in den USA um 0,9 Prozent, die Chinas um 0,6 Prozent gedrückt, rechnet der IWF vor.

IWF legt Bericht über Stabilität des Weltfinanzsystems vor

„Wir müssen zusammenarbeiten, uns um Deeskalation bemühen und die Handelsstreitigkeiten beilegen“, sagt Lagarde und versucht, Zuversicht zu vermitteln. Sie erinnert an jüngste Handelsvereinbarungen in Afrika und an das Abkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko. „Last uns das Momentum für eine Wiederannäherung nutzen.“ Das Welthandelssystem müsse modernisiert werden. „Zerstört es nicht“, ruft sie in den Saal.

Kurz zuvor hatte der IWF am Mittwoch seinen Bericht über die Stabilität des Weltfinanzsystems vorgelegt. Das sei zwar stabiler als vor zehn Jahren. Aber ein Risiko sei auch hier der zunehmende Protektionismus, der zudem das Vertrauen von Investoren untergrabe. Dabei gebe es unbestrittene Erfolge des freien Handels – ungeachtet vieler noch nicht gelöster Probleme, etwa in Asien, sagt Lagarde. „Er ist hier in der Region ein Grund für das Entstehen der weltweit größten Mittelklasse“.

Weltbank-Präsident Kim geht noch ein Stück weiter. Vor allem auch durch die Erfolge im Handel sei es möglich geworden, eine Milliarde Menschen aus der Armut zu holen. Mit zehn Prozent Anteil an der Weltbevölkerung sei die Armutsrate heute so niedrig wie nie zuvor. Aber jetzt drohten Rückschritte wegen der Handelskonflikte und des zunehmenden Protektionismus.

Durch die USA droht eine Blockade

WTO-Chef Azevedo schlägt in die gleiche Kerbe. Von US-Präsident Trump wird die WTO nicht nur heftig kritisiert. Durch die USA droht die Blockade, weil das Land mit seinem Veto die Neubesetzung von Posten beim WTO-Schiedsgericht verhindert. Normalerweise sitzen dort sieben Experten, derzeit sind es nur noch drei, Ende nächsten Jahres sogar nur noch zwei, wenn die USA nicht einlenken.

Natürlich sei das Welthandelssystem nicht perfekt, räumt Azevedo ein. Trotzdem habe es in den vergangenen Jahren viele Fortschritte gegeben. Export-Subventionen der Industrieländer zum Nachteil der Entwicklungsstaaten seien abgebaut worden. „Seit 1980 wurden zwei Drittel aller Zölle gestrichen, das hat zu einem dramatischen Abbau der Armut geführt.“ Aber jetzt gebe es Stillstand. Deshalb müssen wir die Stimme für freien Handel erheben“, sagt auch Azevedo.

„Die Lokomotive läuft nicht mehr“, ereifert sich OECD-Generalsekretär Gurria empört. 2017 sei der Welthandel noch um fünf Prozent gewachsen, jetzt sei die Rate auf drei Prozent gesunken. Wenn diese Entwicklung nicht gestoppt werde, „dann haben wir ein soziales Problem“. Gurria erhebt seine Stimme so laut, dass sich IWF-Chefin Largarde kurzzeitig die Ohren zuhält. Mit Gurria ist sie gleichwohl einig. Der Präsident im fernen Washington wird beide nicht hören.

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