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Handelsbilanz Höhere Löhne sind verkraftbar

Die Bundesrepublik muss das Gleichgewicht aus Angebot und Nachfrage wiederherstellen. Dafür gibt es genügend Spielraum. Unsere Analyse.

Arbeit in Deutschland wird im europäischen Vergleich teurer. Aber Löhne und Gehälter steigen nicht genug, um den Überschuss im Wirtschaftsverkehr mit dem Ausland nachhaltig reduzieren zu können. Das zeigt die jüngste Analyse des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK).

Demnach legten die Arbeitskosten hierzulande im vergangenen Jahr um 2,8 Prozent zu – und damit mehr als die in der EU (2,5 Prozent) und in der Währungsunion (2,0 Prozent). Angesichts des Booms hierzulande ist das aber wenig beeindruckend. Denn im langfristigen Trend seit 2001 fiel der Anstieg laut IMK mit 2,1 Prozent im Jahresmittel geringer aus als in allen anderen Euro-Staaten mit Ausnahme der Krisenländer Griechenland und Portugal. Aktuell rangiert die Bundesrepublik mit Arbeitskosten von 34,60 Euro pro Stunde auf Platz sechs in der EU, hinter Frankreich, Luxemburg, Schweden, Belgien und Dänemark.

Internationale Vergleiche von Arbeitskosten sorgen in der Regel für hitzige Debatten, nicht nur weil ihre statistische Erhebung umstritten ist. Zwangsläufig sind Gehälter für Unternehmen eine Belastung. Je höher die Löhne, die sie zahlen müssen, desto schwieriger der Konkurrenzkampf mit den Wettbewerbern im Ausland. Für Arbeitnehmer aber bedeuten höhere Löhne mehr Kaufkraft – und mehr Konsum kurbelt die Konjunktur an. Das dürfte US-Präsident Donald Trump freuen, der sich auf die deutschen Handelsüberschüsse einschießt. Die extrem hohen Werte gelten auch dem IWF oder der OECD als Gefahr für die globale Stabilität.

Möglicherweise noch aussagekräftiger als die Arbeitskosten in dieser Grundsatzdebatte sind die Lohnstückkosten. Sie beziehen die Produktivität mit ein und eignen sich daher besser, um die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft zu beurteilen. Allerdings zeigt sich bei dieser wichtigen Kennziffer ein ganz ähnliches Bild. 2017 legten die Lohnstückkosten mit 1,8 Prozent schneller zu als im gesamten Euroraum, der eine extrem niedrige Rate von 0,8 Prozent verzeichnete.

Allerdings weist Deutschland mit seiner extrem erfolgreichen Industrie langfristig betrachtet, also von 2000 bis 2017, einen deutlich geringeren Anstieg aus als die übrigen Euroländer. Das jüngste Plus kann daher höchstens ein Schritt auf dem Weg zurück in die Normalität sein, in der Standorte mit Handelsüberschüssen über eine entsprechende Verteuerung der Arbeitskosten zurück ins Gleichgewicht finden. Diese Entwicklung hat in Deutschland begonnen. Doch müsste sie über einen sehr langen Zeitraum mit spürbar höherem Tempo weitergehen, um den Handelspartnern Entspannung zu signalisieren.

„Die deutschen Unternehmen sind international sehr wettbewerbsfähig“, konstatiert IMK-Chef Gustav Horn. „Aber das waren sie auch vor zehn oder 15 Jahren, als sich Wachstum und Beschäftigung weitaus schwächer entwickelten als heute.“ Die lange Flaute Anfang des Jahrtausends führt er sogar auf die zu geringen Lohnabschlüsse zurück. Umgekehrt fielen heute höhere Gehaltszuschläge mit stärkerem Wachstum zusammen. Es ist also nicht nachvollziehbar, warum Deutschland erst aus dem Ausland kritisiert werden musste, um seine Volkswirtschaft wieder in Balance zu bringen.

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