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Handel Der Fairtrade-Verkauf boomt

Der Handel mit fair gehandelten Produkten ist erneut stark gestiegen- auch dank der Zusammenarbeit von Großkonzernen wie Lidl, Aldi und Rewe.

Fair Trade
Foto: dpa

Fairtrade Deutschland hat 2017 ein Umsatzplus von 15 Prozent erzielt. Die Erlöse für fair gehandelten Kaffee stiegen um acht Prozent, Bananen legten um 21, Kakao um 23 Prozent und Schnittblumen um vier Prozent zu. 25 Jahre nach ihrer Gründung arbeitet die Organisation mit multinationalen Handelskonzernen wie Lidl, Aldi und Rewe ebenso zusammen wie mit großen Herstellern wie Ferrero und kleinen Kaffeeröstereien.

Fünf von sechs Deutschen kennen das Fairtrade-Siegel mittlerweile, 95 Prozent der Käufer vertrauen darauf. Mit einem Umsatz von 1,33 Milliarden Euro und einer Ausschüttung von 25 Millionen Euro an die Erzeugergenossenschaften in den armen Ländern hat Deutschland 2017 Großbritannien als wichtigster europäischer Markt für fair gehandelte Lebensmittel, Schnittblumen und Textilien abgelöst. Fairtrade ist eine Erfolgsgeschichte, keine Frage.

Aber eine, die Geduld erfordert. Die Marktanteile der 20 hierzulande fair gehandelten Lebensmittel, Rohstoffe und verarbeiteten Produkte liegen zwischen nicht einmal 0,1 (Gold) und 28 Prozent (Rosen). Für manche Erzeugnisse, darunter Reis und Zucker, brachen die Fairtrade-Umsätze 2017 sogar zwischen neun und 13 Prozent ein. Den mit 55 Prozent stärksten Umsatzrückgang verzeichneten Sportbälle, weil Multis wie Adidas und Nike Fairtrade-Bälle nur zeitlich begrenzt zu Werbezwecken anbieten, ansonsten aber auf das Logo um höherer Gewinne willen verzichten. Allerdings ist dieses Segment mit einem Jahresumsatz von unter 150.000 Euro selbst für Fairtrade-Verhältnisse verschwindend klein.

Anders sieht es mit fair gehandelten Bananen aus, mit denen 2017 fast 160 Millionen Euro umgesetzt wurden. Trotz eines Plus von 21 Prozent ist die Banane eine Art Dauersorgenkind der Organisation: Fairtrade-Bananen sind ausschließlich als Bio-Bananen auf dem deutschen Markt verkäuflich und profitieren daher vom Boom ökologisch erzeugter Lebensmittel.

Herkömmlich angebaute Bananen fungieren dagegen nach wie vor als billige Lockangebote für 0,99 Euro pro Kilo. „Der Wettbewerb ist extrem aggressiv, die Preise sind seit 20 Jahren trotz gestiegener Kosten unverändert“, sagt Fairtrade-Deutschland-Vorstand Dieter Overath. Wenigstens 1,39 Euro pro Kilo müssten die Verbraucher schon hinlegen, um den Bananenbauern den garantierten Mindestpreis plus flexibler Prämien zahlen zu können.

Existenzsichernd sind die Löhne für die meist in Genossenschaften zusammengeschlossenen Kleinbauern oft dennoch nicht. Viele Textilketten wollen laut Overath gar nicht so genau wissen, zu welchen Hungerlöhnen ihre T-Shirts und Blusen hergestellt werden. Die Weltmarktpreise, die in aller Regel unter dem Fairtrade-Niveau liegen, werden von global agierenden Konzernen und industriellen Großagrariern bestimmt. Zudem verursacht der Klimawandel in der Landwirtschaft des Südens hohe Einbußen, die nicht von Fairtrade aufgefangen werden können. „Wir können globale Ungerechtigkeiten nicht lösen, viele Probleme sind größer als wir“, sagt Overath.

Weshalb Schützenhilfe durchaus willkommen wäre, insbesondere von der Bundesregierung. Fairtrade plädiert für die Abschaffung der Kaffeesteuer für Fairtrade-Kaffee, einen reduzierten Mehrwertsteuersatz für alle fair gehandelten Produkte und – als Ausgleich – für höhere Steuern auf herkömmliche Waren.

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