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Handel Das Ende der Globalisierung

Nicht Protektionismus gefährdet den internationalen Handel. Das Problem ist eine strukturell bedingte Wachstumsschwäche.

Hafen von Dili
Ökonomen warnen vor Handelskriegen. Foto: imago

Die Wirtschaftsleistung in Europa, den USA und Japan wächst halbwegs anständig, die Arbeitslosenraten sinken oder sind bereits extrem niedrig. Dennoch wird der Ton zwischen den Vertretern der großen Ökonomien immer schärfer. Der US-Präsident droht mit Mauern und Zöllen, viele Regierungen wollen die Handelsüberschüsse Deutschlands nicht länger hinnehmen, andere wiederum fordern Schutzmaßnahmen gegen chinesische Investoren.

Ökonomen warnen vor Abschottung, Handelskriegen und Protektionismus, die dem Wachstum empfindlichen Schaden zufügen. Tatsächlich scheint die Globalisierung an ein – vorläufiges – Ende gekommen zu sein. Dies liegt aber nicht an der Politik oder an Globalisierungskritikern. Sondern an den Unternehmen.

Die Globalisierung war der herrschende ökonomische Trend der vergangenen Jahrzehnte. Im Kern bedeutete sie einen wachsenden grenzüberschreitenden Güter- und Kapitalverkehr. Insbesondere nach dem Ende des Ostblocks taten sich neue Investitionssphären auf: Firmen aus den westlichen Industriestaaten verlagerten ihre Produktion nach Osteuropa oder nach China und nutzten dort die billige Arbeitskraft und die geringen Steuern. Auch ihre Vorprodukte stellten sie nicht länger selber her, sondern bezogen sie von fernen Standorten.

Im Ergebnis wuchs der Welthandel stärker als die Weltproduktion, das bedeutet: Jedes produzierte Gut enthielt immer mehr Komponenten aus anderen Ländern, die Produktion wurde international immer stärker aufgefächert. „Genau dieser Sachverhalt ist das Wesensmerkmal der Globalisierung“, schreiben die Ökonomen der Bank M.M. Warburg.

Nach Berechnung der Bankökonomen hat sich das Verhältnis von Welthandel und globaler Industrieproduktion zwischen 1993 und 2012 verdoppelt. Doch inzwischen ist diese Entwicklung abgebrochen. Lag vor 20 Jahren das Trendwachstum des Handels noch bei etwa zehn Prozent jedes Jahr, so ist es inzwischen auf fast null Prozent gefallen, was mit der Konjunktur nicht erklärt werden kann. Dies belegt laut M.M. Warburg, dass „der Welthandel und damit die Globalisierung in eine neue Phase eingetreten ist“.

Der naheliegende Grund dafür ist, dass alle Produktion ver- und ausgelagert worden ist, die rentabel verlagert werden kann. Mehr lohnt sich für die Firmen einfach nicht, es ist „zu einer gewissen Sättigung gekommen“, so M.M. Warburg. Das bedeutet wiederum, dass den Unternehmen ein wichtiges Instrument genommen ist, ihre Konkurrenzposition und ihre Produktivität durch grenzüberschreitende Investitionen zu steigern.

Dieser „marktgetriebene Trend einer abnehmenden Globalisierung“ (M.M. Warburg) mag zwei Entwicklungen erklären, die Ökonomen derzeit Rätsel aufgeben: zum einen die weltweite Investitionsschwäche, zum anderen das sinkende Wachstum der Produktivität. Beides hemmt das globale Wirtschaftswachstum und drückt es auf ein Niveau, das die G7-Staaten kürzlich wieder als enttäuschend gering beklagten.

Das grundlegende Problem scheint also anders zu liegen, als vielfach dargestellt wird: Nicht Protektionismus gefährdet das Wirtschaftswachstum. Vielmehr ist es eine strukturell bedingte Wachstumsschwäche, die zu Verteilungskonflikten und drohenden Handelskriegen führt.

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