Lade Inhalte...

Hambacher Forst Zimmer mit Aussicht

Nass, kalt, windig? Von wegen! In einem klug konstruierten Baumhaus ließ sich auch der Winter im Hambacher Forst gut überstehen. Ein letzter Besuch in den Wipfeln.

18.09.2018 09:36
Ralf Jansen
Braunkohlerevier Hambacher Forst
Hängepartie mit Lächeln: Eine Aktivistin unter einem Baumhaus, das am Montag noch nicht geräumt worden war. Foto: dpa

Aus dem Baumhaus ragt ein Kaminrohr. Ein kleiner Ofen sorgt für wohlige Wärme. Es gibt sogar einzelne, mehrfachverglaste Fenster. Frisches Wasser wird in großen Kanistern bei Unterstützern in den umliegenden Dörfern gezapft und zu Fuß oder mit dem Rad an den Wald getragen.

Seit mehr als sechs Jahren leben junge Menschen im und am Hambacher Forst, um gegen den Braunkohleabbau und die Zerstörung des Waldes zu demonstrieren. Nun werden die Baumhäuser abgerissen. Was übrig bleibt, wird zu großen Holzhaufen aufgeschüttet. In etwa einer Woche sollen alle verschwunden sein, doch noch gibt es ein Wiesencamp auf einem privaten Grundstück nahe des Waldes, das Kurt Claßen aus Buir gehört. Claßen ist der Mann, dem RWE ein paar Tausend Euro für seine Wiese geben wollte, woraufhin Claßen ausrechnete, wie viel Geld der Konzern mit der Kohle unter dem Grundstück verdienen könnte – und den Preis auf 80 Milliarden Euro ansetzte.

Außerdem steht im Hambacher Forst der Räumung und dem Abbau des Bestehenden ein Zufluss von Neuem entgegen: Denn über Feldwege fahren immer mehr Wohnmobile und Busse heran, in denen neu eingetroffene Demonstranten leben.

In den Häusern, die nur an die Bäume gebunden, nicht genagelt worden sind, einer selbst gebauten Hütte oder einer ausgekleideten Mulde in der Erde auf der Wiese am Hambacher Wald kann man es erstaunlich lange aushalten: Die Böden und Wände der Unterkünfte in den Wipfeln nahe des heranrückenden Tagebaus Hambach bestehen aus Paletten, sind mit Platten von allen Seiten abgedichtet und von innen mit Stroh ausgestopft.

„Alle ein oder zwei Wochen kommt jemand mit einem Transporter und bringt Trinkwasser. Wir hatten bis vor Kurzem noch zwei 1000-Liter-Behälter, die regelmäßig gefüllt wurden. Doch die Polizei lässt uns jetzt an diese Tanks nicht mehr heran“, berichtet der 30 Jahre alte „Clumsy“. Er ist seit sechseinhalb Jahren bei den Waldbesetzern dabei, ein Mann der ersten Stunde. „Kälte“, sagt er, „ist überhaupt kein Problem.“ An nasskalten Novembertagen könne man sich in geheizte Baumhäuser oder Gemeinschaftshütten im Wiesencamp zurückziehen. Geduscht werde bei Freunden. „Außerdem sind in den einzelnen Dörfern im Wald Solarduschen verteilt, wie man sie vom Camping kennt“, berichtet der Österreicher.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Hambacher Forst

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen