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Gründerpreis „Da war ich wohl etwas naiv“

Ab zur Bank – und schon gibt es Kredit? Für Firmengründer gilt das nicht. Banken tun sich schwer damit, ihnen ein Darlehen zu gewähren. Doch die Zeichen stehen auf Wandel.

Businesswoman
Neugründungen sind für Banken mit hohen Risiken verbunden. Viele Gründer laufen bei ihren Anfragen deshalb vor Wände. Foto: imago

Natascha Hoffner ist immer noch enttäuscht, das ist unüberhörbar – auch wenn die 37-jährige Unternehmerin stets einen heiteren Klang in der Stimme hat. „Die haben mir gesagt: Wir machen das mit dem Kredit nur, wenn Ihr Mann für Sie bürgt. Das habe ich abgelehnt“, sagt sie. „Oder haben Sie schon mal gehört, dass eine Bank einem Mann gesagt hat, seine Frau soll für ihn bürgen?“

Hoffner hat vor zweieinhalb Jahren das Messeunternehmen messe.rocks gegründet und dabei erlebt, wie schwierig die Anfangsfinanzierung der Selbstständigkeit sein kann. Sie hatte zuvor bereits 15 Jahre in einer leitenden Funktion in der Messebranche gearbeitet, hatte ein Konzept für ihr neues Unternehmen entwickelt und auch etwas Eigenkapital – benötigte aber knapp 100 000 Euro externes Startkapital. „Ich dachte: Das wird kein Problem, einen Kredit zu bekommen. Da war ich wohl etwas naiv“, sagt sie heute. „Ich bekam nur Absagen.“

So wie Hoffner geht es vielen Gründerinnen und Gründern – nicht nur in Deutschland, sondern in allen Industrieländern. Denn die Banken tun sich grundsätzlich schwer damit, ihnen Kredit zu gewähren. Nicht ganz ohne Grund: Rund 30 Prozent der Gründer in Deutschland beenden laut dem Gründungsmonitor der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ihre Geschäftstätigkeit binnen drei Jahren wieder. Nicht unbedingt, weil sie insolvent sind, sondern oft auch ganz freiwillig. „Es ist aber definitiv so, dass die Ausfallwahrscheinlichkeit einer Neugründung höher ist als die eines Unternehmens, das schon lange am Markt ist“, sagt Tim Hesse, Marktregionsleiter Unternehmerkunden bei der Commerzbank.

Bei besonders innovativen, meist hochtechnologisch getriebenen Neugründungen, sogenannten Startups, liegt die „Abbrecherquote“ nochmal deutlich höher. „Die Daumenregel lautet: Von zehn Startups scheitern fünf innerhalb von fünf Jahren, eins wird sehr erfolgreich, vier weitere bleiben bestehen, aber ohne riesige Erfolge zu feiern“, sagt Paul Wolter vom Bundesverband Deutsche Startups. Für die Banken bedeutet die Finanzierung daher ein großes Risiko.

Zudem fehlt bei Gründungen naturgemäß eine Unternehmenshistorie, so dass den Banken die Bewertung der Kreditfähigkeit des Gründers häufig schwerfällt – umso mehr, wenn der dann auch noch ein neuartiges Produkt anbieten will, für das es keine Erfahrungswerte auf dem Markt gibt. Die Banken müssen dann unter anderem auf Schufa-Einträge, Einkommensbescheide und den Geschäftsplan zurückgreifen.

Und: Die Kreditbeträge, die Gründer benötigen, sind häufig sehr niedrig. Aus Sicht vieler Banken zu niedrig, als dass sich der Aufwand für die Bonitätsprüfung lohnen würde. Dieses Problem allerdings versuchen Gründerverbände in den Griff zu bekommen. So hat der Deutsche Gründerverband die Accelerest AG gegründet, die unter anderem Gründern helfen soll, alle für Banken wichtigen Informationen in einem standardisierten Verfahren aufzubereiten.

Dieses Verfahren wird derzeit mit einer Bank in einem Pilotprojekt getestet. Ziel ist es, dass irgendwann alle Banken darauf zurückgreifen können. Wenn alle Gründer ihre Unterlagen auf die gleiche Weise und sofort fehlerfrei aufbereiten, könnten die Kosten für die Bonitätsprüfung für die Banken sinken und die Kreditvergabe an Gründer attraktiver werden, so die Hoffnung des Gründerverbands. „Effizientere Prozesse zur Senkung der Fixkosten sind sicherlich gut. Aber eine höhere Standardisierung hat auch ihre Nachteile“, warnt der Chefvolkswirt der KfW, Jörg Zeuner. „Denn sie macht es für Gründer schwieriger, den Banken ihre ganz individuellen Projekte vorzustellen. Das muss dann ja alles in die vorgegebene Form passen. Das wird Gründern oft nicht gerecht.“

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