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Greenpeace-Report Das Palmöl und die Banken

Palmöl wird oftmals mit Raubbau-Methoden produziert. Internationale Banken finanzieren Agrarkonzerne, die solche Methoden anwenden.

An Indonesian worker pushes a cart of palm oil fruits at Felda Bukit Cerakah in the district of Klang, outside Kuala Lumpur
Erntezeit in Indonesien: Die Palmöl-Früchte werden mit Schubkarren aus den Plantagen transportiert. Foto: rtr

Die Nachfrage nach Palmöl wächst rasant. Rund 60 Millionen Tonnen werden weltweit jährlich von dem vielseitigen Agrarprodukt hergestellt, das unter anderem in Margarine, Pizza und Chips, Waschmitteln, Duschgels und Farben, aber auch in Biosprit steckt. Oftmals wird das Palmöl aber mit Raubbau-Methoden produziert, etwa, indem wertvoller Regenwald für die Plantagen zerstört wird. Ein Report von Greenpeace International, der der FR vorab vorliegt, zeigt nun, dass westliche Banken an dem Geschäft beteiligt sind. Sie finanzieren Agrarkonzerne, die Raubbau-Palmöl herstellen.

Fokus des Reports ist der Palmöl-Anbau in Indonesien, der ökologisch besonders verheerend ist. Die Brandrodungen und die Trockenlegung von Mooren, mit denen die dort tätigen Agrarkonzerne Flächen für neue Palmplantagen schaffen, gelten als Hauptursache für die riesigen Waldbrände und die weiträumige Luftverschmutzung. Diese – „Haze“ genannt – sucht nicht nur Indonesien, sondern auch Nachbarländer in Südost-Asien regelmäßig heim. So wird die Haze-Krise vom Herbst 2015 für über 100 000 vorzeitige Todesfälle in der Region verantwortlich gemacht. Die Palmöl-Branche steht wegen der katastrophalen Folgen für die Bevölkerung und das Weltklima durch die entstehenden CO2-Emissionen seit Jahren massiv in der Kritik.

Laut der Greenpeace-Analyse ist vor allem Europas größte Bank, die britische HSBC, stark in die Finanzierung von Palmöl-Konzernen involviert, denen ökologische und soziale Vergehen nachgewiesen wurden. Sie war danach allein in den vergangenen fünf Jahren an Syndikaten beteiligt, die Kredite in Höhe von rund 16,3 Milliarden US-Dollar (etwa 15,4 Milliarden Euro) dafür vergaben. Allerdings sind offenbar auch deutsche Institute in dem Bereich tätig. Laut der Umweltorganisation haben sich die Deutsche Bank und die Commerzbank an Geschäften mit solchen Unternehmen beteiligt oder für sie Finanzdienstleitungen erbracht.

Der Report der Umweltorganisation dokumentiert die Geschäftspraktiken von sechs Konzernen, die im Palmöl-Geschäft tätig sind, darunter die IOI-Group, Goodhope Asia Holdings Ltd und Noble Group. Ihnen werden illegale Brandrodungen und Entwässerung von Mooren, Raub von Land, das von lokalen Bauern bewirtschaftet wurde, schlechte Arbeitsstandards und Kinderarbeit vorgeworfen.

Die Probleme seien gut belegt, argumentiert Greenpeace. Die Unternehmen seien zum Teil von Indonesiens Regierung für die Brandrodungen verantwortlich gemacht worden, es habe offizielle Beschwerden im Rahmen des „Runden Tisches für nachhaltiges Palmöl“ (RSPO) gegeben, in dem Unternehmen und Umweltverbände wie der WWF beteiligt sind, zudem lägen detaillierte Reports von NGOs vor. Die indonesische Greenpeace-Expertin Annisa Rahmawati kommentierte: „HSBC behauptet, eine respektable Bank mit strengen Richtlinien gegen Waldvernichtung zu sein. Aber diese schönen Worte vergisst sie, wenn es darum geht, Verträge zu unterschreiben.“

Auf FR-Anfrage erklärte HSBC, die eigenen Richtlinien schlössen die Finanzierung von Geschäften aus, die illegal seien, Wälder und Landschaften mit hoher Naturschutz-Bedeutung zerstörten oder die Rechte von Arbeitern und lokaler Bevölkerung missachteten. Man habe keine Kenntnis davon, dass aktuelle Kunden diese Richtlinien missachteten, so die Londoner Bank. Zu den sechs Konzernen aus den Greenpeace-Report äußerte HSBC sich nicht.

Auch die hiesigen Banken teilten mit, konkrete Angaben zu den Unternehmen aus dem Palmöl-Sektor seien nicht möglich. Laut Greenpeace sind es bei der Deutschen Bank, mit Blick auf Indonesien, die Konzerne Indofood und Noble, bei der Commerzbank Noble.

Die Deutsche Bank betonte, ,man habe strenge Richtlinien beim Thema Palmöl. Kunden der Bank müssen sich nach den Kriterien des RSPO zertifizieren lassen. „Falls Unternehmen bis 2020 keine Zertifizierung vorweisen, verlängern wir Geschäftsbeziehungen nicht und gehen keine neuen Geschäftsbeziehungen ein“, sagte ein Sprecher der FR.

Bei der Commerzbank hieß es, man sei „als erste und bislang einzige deutsche Bank“ seit 2014 RSPO-Mitglied. Als solches bekenne man sich „zu mehr Transparenz, langfristig ausgerichteter wirtschaftlicher Tätigkeit und verantwortungsvollem Umgang mit Umwelt, natürlichen Ressourcen, Plantagenmitarbeitern sowie betroffenen Individuen und Gemeinden“. Bei Palmöl-Lieferungen, die von der Commerzbank begleitet werden, müsse auch der Lieferant Mitglied im RSPO sein und Informationen darüber bereitstellen, „inwiefern er die nachhaltige Produktion von Palmöl ... bereits umsetzt beziehungsweise welche Ziele er diesbezüglich anstrebt – etwa durch Zertifizierungen“. Sei eines dieser Kriterien nicht erfüllt, könne „die Commerzbank diese Palmöllieferung nicht begleiten“.

Die deutsche Greenpeace-Expertin Gesche Jürgens hält dies nicht für ausreichend. Sie moniert, das RSPO-Siegel greife deutlich zu kurz. Um es zu erhalten, müssten die Lieferanten von Palmöl zwar bestimmte Wälder erhalten und den Einsatz von Pestiziden reduzieren, es sei aber dennoch weiterhin erlaubt, Wälder und Torfmoore in Plantagen umzuwandeln und hochgiftige Pestizide einzusetzen. Zudem würden selbst die schwachen Kriterien oft nicht eingehalten.

Jürgens fordert daher von Palmölkonzernen, die Standards der „Palmoil Innovation Group“ (POIG) umzusetzen, die deutlich strengere ökologische und soziale Mindeststandards für den Anbau von Ölpalmen vorschreiben. „Banken, die Geschäfte mit der Palmölindustrie machen, müssen die POIG-Kriterien konsequent einfordern und sich die Anwendung glaubwürdig nachweisen lassen“, sagte Jürgens. Nur so könnten sie sicher gehen, nicht in Regenwaldzerstörung und Ausbeutung zu investieren.

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