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Google Sidewalk Labs Wie Google Städte revolutionieren will

Mit einem Tochterunternehmen will Google die Probleme moderner Städte angehen, beteiligt an dem Projekt ist ein ehemaliger Vize-Bürgermeister von New York. Was genau hat das Unternehmen vor?

Selbstfahrende Autos sind Teil des Konzepts von Google Sidewalk Labs. Foto: REUTERS

Hat Google eine neue Entwicklungsabteilung gegründet?
Google hat schon mehrere Tochterunternehmen, die sich mit der Entwicklung von Innovationen und neuen Geschäftsfeldern beschäftigten - wie selbstfahrenden Autos oder Drohnen, die Internetzugänge überall auf der Welt ermöglichen sollen. Nun kommt ein neues hinzu. Es heißt Sidewalk Labs – was etwa Bürgersteig-Laboratorium bedeutet. Sidewalk werde sich darauf konzentrieren, die Lebensqualität für Stadtbewohner zu verbessern, teilt Google-Chef Larry Page mit. Die Firma werde Technologien entwickeln und ausbrüten, die sich etwa mit günstigen Lebenshaltungskosten, innerstädtischem Verkehr  oder  Energieeffizienz beschäftigen. Der Konzern geht damit das Megathema Urbanisierung an, das viele Wissenschaftler für eine der wichtigsten Entwicklungen in den kommenden Jahrzehnten halten.  

Was hat das mit dem Kerngeschäft von Google, der Suchmaschine, zu tun?
Auf dem ersten Blick relativ wenig. Allerdings fährt Google schon lange eine Strategie, die weit über die Internetsuche hinausgeht. Google geht es um Daten und die Geschäfte, die damit gemacht werden können. Das dürfte auch bei Sidewalk ein wichtiges Kriterium sein. Hier könnten viele Projekte zusammenlaufen. Beispielsweise Verkehr: Google arbeitet an selbstfahrenden Autos. Wobei für das Unternehmen nicht die Fahrzeuge selbst, sondern die Software und die Daten interessant sind, die für das automatisierte Fahren nötig sind. Der digitale Kartendienste Google Maps spielt dabei eine maßgebliche Rolle. Als nächsten Schritt kooperiert der Konzern mit Firmen, die an Konzepten mit selbstfahrenden Taxis und Car-Sharing arbeiten. Der nächste logische Schritt wäre, dies in die Infrastruktur einer Stadt zu integrieren. Darum könnte sich Sidewalk kümmern: So braucht es Stellplätze für die Autopilot-Autos. Ihre Nutzung muss mit dem Angebot an Bussen und Bahnen koordiniert werden. Es müssen neue Wege für die Verkehrsregelung gefunden werden. In einer Stadt mit autonomen Pkw sind Ampeln letztlich überflüssig. Dafür muss aber organisiert werden, dass die Fahrzeuge miteinander kommunizieren – dafür werden Daten und Algorithmen benötigt, die Google liefern will. 

Wie können Stadtbewohner davon profitieren?
Ein solches Konzept würde es überflüssig machen, noch ein eigenes Auto zu besitzen. Die Zahl der Pkw in der Stadt könnte im Idealfall massiv reduziert werden. Mehr Grünflächen, mehr Zonen mit beruhigtem Verkehr, letztlich eine höhere Lebensqualität könnten die Folge sein. Und alles wird von Google  überwacht und gesteuert – das dürfte allerdings eine Horrorvision aus Sicht von Datenschützern sein. 

Kann ausgerechnet Google bessere Lösungen finden als Stadtverwaltungen und Kommunalpolitiker?
Das wird sich noch zeigen. Aber Google hat einen ganz großen Vorteil gegenüber den traditionellen Problemlösern für Städte. Der Konzern verfügt über seine vielfältigen Dienste – von der Suchmaschine bis zum Smartphone-Betriebssystem Android – über einen gigantischen Datenschatz. Mit Hilfe moderner Analysesoftware ist es möglich, Entwicklungen in Städten sehr präzise zu analysieren. Welche Bevölkerungsgruppen siedeln sich in welchen Stadtteilen an? Was bedeutet das für an Bedarf an öffentlichem Nahverkehr. Wie werden sich Hauspreise entwickeln? Larry Page spricht davon, dass die Herausforderungen in Städten komplex seien. Es gehe darum das große Bilde der vielen Faktoren zu malen, die städtischen Leben beeinflussen, so Page. Das will Google mit Big-Data-Werkzeugen erreichen. Solche Analysen haben den Anspruch, dass sie künftige Entwicklung sogar vorhersagen können. So könnte „errechnet“ werden, welche Kitas mit welchen Öffnungszeiten und welchem Personal in einem Quartier benötigt werden, wenn eine Straßenbahnline ausgebaut wird, die dorthin führt. 

Wer leitet das Projekt?
Ein renommierter Manager und Kommunalpolitiker: Dan Doctoroff. Er war einst Vize-Bürger meister vn New York und nach den Anschlägen vom 11. September ein ehrgeiziges Stadterneuerungsprogramm durchgezogen. Dazu gehörte das größte Wohnungsbauprogramm für bezahlbaren Wohnraum, das jeweils in den USA umgesetzt wurde. In der Folge war er der Chef der Firma Bloomberg, der Mutter der gleichnamigen Finanznachrichtenagentur.      

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