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Google-Kontrahent Qwant „Privatsphäre ist ein Menschenrecht“

Eric Léandri, Chef der europäischen Suchmaschine Qwant, über ein Geschäftsmodell, das auf die Ausbeutung von Nutzerdaten verzichtet.

Eric Léandri hat die alternative Suchmaschine Qwant als Gegenentwurf zu Google entwickelt. Foto: Qwant

Eric Léandri ist für Datenschützer und netzpolitische Aktivisten so etwas wie ein Hoffnungsträger. Er hat die alternative Suchmaschine Qwant als Gegenentwurf zu Google entwickelt. Léandri verspricht: Qwant beantwortet Suchanfragen mit objektiven und unparteiischen Suchergebnissen. Er will einen europäischen Weg in der Internetökonomie gehen, der die Rechte der Nutzer als Staatsbürger hochhält. 

Herr Léandri, wie laufen die Geschäfte in Deutschland?
Gut. Wir sind gerade dabei, in unserer Berliner Niederlassung unser Team auszubauen. Nach dem Motto „deutsche Mitarbeiter für Deutschland“. Denn die verstehen den hiesigen Markt einfach besser als Franzosen. Wir arbeiten gerade mit Hochdruck daran, einen eigenen kompletten Index mit allen Seiten, die bei Suchen durchforstet werden, aufzubauen, um eine echte eigene Suchmaschine für Europa zu bieten. 

Die eigene Infrastruktur ist Ihnen extrem wichtig?
Seit Tag eins von Qwant steht dies im Zentrum. Wir wollen nicht Google sein, und wir wollen Google nicht kopieren. Wir arbeiten längst mit unserem eigenen Algorithmus bei der Auflistung der Suchergebnisse, der mehrere Jahre getestet wurde. An dem Tag des Starts von Qwant in Deutschland Anfang März 2014 lagen wir bei der Zahl der Such-Abrufe bundesweit auf dem zweiten Platz – hinter der deutschen Nationalmannschaft, die sich an diesem Tag für den World Cup in Brasilien qualifizierte. Deshalb war es unmöglich, sie zu schlagen. 

Was haben Nutzer davon, mit Qwant zu suchen?
Wir wollen neutral sein. Das heißt, bei unserer Suche wird niemand bevorzugt, etwa indem eigene Dienste oder die von Partnern ganz oben auf der Ergebnisliste angezeigt werden. 

Wie es Google praktiziert. Google kann auch mit Tracking-Funktionen Bewegungsprofile der Nutzer erstellen. Wie halten Sei es damit?
Wir praktizieren kein Tracking – basierend auf Artikel 12 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen, der das Recht auf Privatsphäre beschreibt. Das hat auch in Deutschland einiges zu bedeuten. Mir kommt es aber so vor, als ob in den USA dieser Artikel unbekannt ist. Unsere Server stehen deshalb auch nicht wie die anderer alternativer Suchmaschinen bei der Amazon-Tochter AWS. Ich bin mir nicht sicher, was dort mit deren Daten passiert. Die Daten unserer Nutzer sind vor dem Zugriff Dritter absolut sicher, weil wir eben unsere eigene Infrastruktur betreiben. Das ist alles andere als banal, aber unsere Unabhängigkeit ist für uns seit dem ersten Tag das Wichtigste. 

Und wie steht es mit Ihren Investoren?
Wir sind europäisch. Unsere Investoren sind der Axel-Springer- Verlag, die Bank Caisse des Dépôts aus Frankreich und die Europäische Investment Bank (EIB). 

Aber hat Qwant wirklich eine Chance, sich gegen den Giganten Google zu behaupten, der in Deutschland einen Marktanteil von mehr als 95 Prozent hat?
In Frankreich waren es vor zwei Jahren auch noch 95 Prozent. Jetzt sind es dort noch 89 Prozent. Wir haben nach neuesten Marktdaten einen Anteil von vier Prozent. 

Was ist Ihr Ziel?
Wir wollen fünf bis zehn Prozent des europäischen Marktes erreichen, und zwar innerhalb der nächsten drei Jahre. Ich kann Ihnen meine Perspektive auf Europa darstellen. Sie können entscheiden, ob Sie das mögen oder nicht.

Bitte schön!
Wenn wir über Frankreich und Deutschland reden, dann reden wir über 165 Millionen Menschen. Beide Länder verfügen über eine gut ausgebaute Infrastruktur für schnelle Internetzugänge und über eine hohe Kaufkraft. Nehmen Sie noch Italien und Spanien hinzu, dann haben sie einen Markt, der größer ist als die USA. Unsere Nutzerzahlen sind in Deutschland in den vergangenen vier Monaten um 15 Prozent gewachsen. 

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