Lade Inhalte...

Google kauft Drohnen Google erobert den Luftraum

Drohnen sollen für den Internet-Riesen Google das Breitband-Netz in jeden Winkel der Welt bringen. Dabei entspinnt sich ein ein Wettlauf mit dem Konkurrenten Facebook um die Nutzer der eigenen Dienste.

Titan Aerospace hat sich auf die Entwicklung solarbetriebener Drohnen spezialisiert. Foto: picture alliance / AP Photo

Google meint es ernst damit, das Breitband-Internet bis in die entlegensten Regionen der Welt zu bringen. Der US-Technologiekonzern hat das Start-up Titan Aerospace aus New Mexico übernommen, das sich darauf spezialisiert hat, solarbetriebene Drohnen zu entwickeln. Mit einer Flügelspannweite von 50 Metern übertreffen die Titan-Drohnen sogar die Dimension einer Boeing 737. Die Tragflächen sind allerdings mit Solarpanels bestückt. So sollen die unbemannten Fluggeräte fünf Jahre ohne Unterbrechung in einer Höhe von etwa 20 Kilometern fliegen können.

Kommerzielle Flugzeuge sind dagegen in zehn bis zwölf Kilometern Höhe unterwegs. Diese Leistungsfähigkeit macht die Drohnen für Google interessant. Denn sie sollen als schwebende WLAN-Router große Flächen mit Internet versorgen. Eine Drohne soll mehr als 16 000 Quadratkilometer abdecken können. Am Boden bräuchte es dazu mehr als 100 Funkmasten. Aerospace Titan gibt an, ihre Drohnen könnten dabei Datengeschwindigkeiten von einem Gigabit pro Sekunde erreichen. Das ist deutlich schneller als ein DSL-Anschlüsse hierzulande. Bereits im nächsten Jahr soll die Technik einsatzbereit sein.

Mit hochauflösenden Kameras bestückt könnten die Drohnen darüber hinaus wichtiges Bildmaterial für die Kartenprodukte von Google liefern. Doch Google erklärte, mit der Übernahme solle vor allem das „Loon“-Projekt des US-Technologiekonzerns vorangebracht werden. Dabei soll schnelle Internetversorgung über gigantische Ballons in der Stratosphäre in entlegene Regionen gebracht werden. Bereits im vergangenen Jahr experimentierte Google mit einem Pilotversuch in Neuseeland mit 30 Ballons.

Pilotversuch in Neuseeland

Gerade erst gab der Konzern bekannt, einer seiner Ballons habe in 22 Tagen die Erde umrundet. Bald soll über dem 40. Breitengrad der südlichen Erdhalbkugel ein ganzer Gürtel von Ballons installiert werden, der über Argentinien, Chile, Tasmanien und Neuseeland verlaufen soll. Dort soll es dann quasi überall einen Internetzugang in UMTS-Geschwindigkeit geben. Drohnen könnten Google bei der Ballon-gestützen Internetversorgung unterstützen, da sie anders als Ballons nicht so stark den Winden ausgeliefert und daher leichter zu kontrollieren sind.

Bei der Versorgung der entlegensten Winkel der Erde mit Internet aus der Luft liefert sich Google einen Wettlauf mit dem sozialen Nerzwerk Facebook. Bis März soll das Zuckerberg-Imperium Konzern ebenfalls mit Titan Aerospace über eine Übernahme verhandelt haben. Dem Vernehmen nach ging es dabei um 60 Millionen Dollar. Stattdessen übernahm Facebook den konkurrierenden britischen Drohnen-Entwickler Ascenta, der ebenfalls mit Sonnenenergie betriebenen Drohnen entwickelt.

Im März hatte Facebook dann verkündet, auf eine Kombination von Drohnen, Satelliten und Lasern setzen zu wollen, um das High-Speed-Internet zu denen zu beamen, die noch keines haben. In einem Forschungslabor arbeitet man dafür unter anderem mit Experten der US-Weltraumagentur NASA zusammen.

Beide Technologiekonzerne verweisen darauf, dass zwei Drittel der Weltbevölkerung noch keinen Zugang zum Internet haben. Für die Internetgiganten sind das vor allem Menschen, die noch kein Facebook-Profil anlegen können oder bei Google suchen können. Da die Telekommunikationskonzerne mit Investitionen in ärmere und dünn besiedelte Regionen zurückhaltend sind, setzen die beiden Konzerne zunehmend auf eigene Infrastruktur. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Google und Facebook mit dieser Technik auch ihre eigenen Versionen des Internets zu den Menschen bringen wollen.

Kein Internet, kein Google

In den Entwicklungsländern zeichnet sich dies bereits ab. In Indien, Nigeria und Sri Lanka bietet Google kostenfreien Zugang zu einer ganz eigenen Version des Internet: der Google-Freezone. Der Klick auf ein Ergebnis der Google-Suche ist da noch kostenfrei, bei einem zweiten Klick muss der Nutzer zahlen – etwa für ein Video, das nicht bei der Google-Tochterfirma Youtube liegt.

Ein ähnliche Angebote hat Facebook unter dem Namen Facebook Zero im Portfolio. Dort kostet dann die Google-Suche. Das Ergebnis sei, dass für ärmere Menschen der Zugang zum Internet gleichbedeutend mit dem Zugang zu Facebook werde, warnt die Harvard-Professorin Susan Crawford. Tatsächlich würden diese Menschen aber lediglich zum „Kanonenfutter für die Werbebranche“.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen