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Goldreserven Am Gold scheiden sich die Geister

Trotz der Dementis der Bundesregierung: Die Verwendung der nationalen Gold-Reserven für die Erhöhung Schlagkraft des Euro-Rettungsfonds bleibt ein Thema in Brüssel.

08.11.2011 17:52
Thorsten Knuf und Anna Sleegers
Die Diskussion um das Gold der Bundesbank hält an. Foto: dpa

Die Debatte über ein Anzapfen der nationalen Gold- und Währungsreserven für die Euro-Rettung reißt nicht ab. Am Montagabend trafen sich in Brüssel die Finanzminister der 17 Euro-Staaten. Offiziell stand das Thema zwar nicht auf der Tagesordnung. Diplomaten rechneten aber damit, dass es trotzdem zur Sprache kommen würde.

Die Bundesregierung betonte vor Beginn der Gespräche, dass die alleinige Verfügungsgewalt über die Gold- und Währungsreserven bei der Bundesbank verbleiben solle. Es gebe keinen Grund und auch keinen Versuch, daran etwas zu ändern, sagte der Sprecher.

Für Deutschland ist die Diskussion unangenehm. Beim jüngsten Gipfeltreffen der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer in Cannes war Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Ende vergangener Woche dem Vernehmen nach noch bereit, die Reserven der Deutschen Bundesbank in ein Sondervermögen beim Internationalen Währungsfonds (IWF) einzubringen. Doch dann habe Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sein Veto eingelegt und Merkel habe zurückrudern müssen.

Fieberhafte Suche nach neuen Schutzwällen

Die Eurostaaten versuchen fieberhaft, neue Schutzwälle für Länder wie Italien und Spanien zu errichten. Am Montag ging es erneut darum, wie die Schlagkraft des Euro-Rettungsfonds EFSF gesteigert werden kann.

Als eine Möglichkeit ist vorgesehen, Gelder aus Drittstaaten wie China oder Brasilien zu mobilisieren. Das ist aber offenbar schwieriger als gedacht, weil auch die Staatsfonds der Schwellenländer entweder hohe Renditen oder aber eine Sicherheitsgarantie fordern – wenn nicht sogar beides. Um ihnen diese Sicherheit zu bieten sind einige Euro-Staaten dafür, nationale Gold- und Währungsreserven als Sicherheit einzubringen.

Der Chefvolkswirt der Allianz, Michael Heise, hält dies für einen schlechten Vorschlag. „Stattdessen sollten die Staats- und Regierungschefs lieber rasch die ebenfalls debattierte Versicherungslösung auf den Weg bringen“, sagte er. Bei diesem Lösungsansatz sollen die bewilligten Mittel des EFSF zum Teil dafür verwendet werden, privaten Investoren einen Teil des Ausfallrisikos südeuropäischer Staatsanleihen abzunehmen.

In der Praxis sollen dafür die als sicher geltenden EFSF-Anleihen an neue Staatsanleihen von Ländern wie zum Beispiel Italien geheftet werden. Wenn ein Investor für eine Million Euro italienische Staatsanleihen zeichnet, würde er im Falle eines Zahlungsausfalls EFSF-Anleihen im Wert von 250?000 Euro erhalten. Heise ist zuversichtlich, dass sich der Markt auf diese Weise beruhigen lässt. „Dadurch würden aller Voraussicht nach die Zinsen sinken und die betroffenen Staaten würden ihre Kapitalmarktfähigkeit nicht verlieren“, so der Ökonom.

„Unikum in Europa“

Wenn es hart auf hart kommen würde, käme Deutschland im Ernstfall gar nicht darum herum, seine Reserven anzutasten. „De facto bürgt Deutschland bereits mit seinen Goldreserven für die Staatsschulden der Euro-Partner“, sagt Sylvain Broyer, Volkswirt der französischen Investmentbank Natixis. „Wenn der europäische Rettungsfonds EFSF Geld aufbringen müsste, um die Pleite eines Euromitgliedstaats zu verhindern, muss Deutschland seinen Anteil dafür aufbringen – und das geht nur durch den Verkauf von Vermögenswerten oder durch die Aufnahme neuer Schulden.“ Wegen der Schuldenbremse, aber auch um sein Rating nicht aufs Spiel zu setzen, kann Deutschland in seinen Augen die Goldreserven nicht unantastbar machen.

„Die alleinige Verfügungsgewalt der Bundesbank über die Goldreserven ist ein Unikum“, sagt Broyer. Üblich sei, dass die Regierungen über den Verkauf der Goldreserven entschieden. Wenn künftig eine europäische politische Union geschaffen werde, entbehre es jeder Logik, dass das Bundesbank-Gold nur deutsche Steuerzahler schütze, findet Broyer.

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