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Glyphosat Die Gefährlichkeit bestimmt Monsanto

Das entscheidende Gutachten für die weitere Zulassung des Pflanzenschutzmittels Glyphosat stammt aus der Feder des Bundesinstituts für Risikobewertung. Die Passagen zur Gefährlichkeit des Herbizids hat die Behörde einfach vom Hersteller Monsanto übernommen.

Berlin
Anfang des Jahres gab es in Berlin und EU-weit Proteste gegen die weitere Zulassung von Glyphosat. Foto: epd

Die deutsche Sprache hält für den Umgang deutscher und europäischer Lebensmittelsicherheitsbehörden mit dem Ackergift Glyphosat eine treffende Redewendungen bereit: Man hat den Bock zum Gärtner gemacht. Zur Klärung der Frage, ob das Pflanzenschutzmittel in der EU für weitere zehn Jahre zugelassen werden soll, hat sich das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nämlich vor allem einer Quelle bedient: den Glyphosat-Hersteller Monsanto. Seitenweise hat das BfR Textpassagen kopiert und hat dabei gerade auch besonders heikle Bewertungen des Herstellers einfach übernommen.

So hatte Monsanto im Glyphosat-Zulassungsverfahren Studien, die Krebs erregende und Erbgut schädigende Wirkungen des global eingesetzten Herbizids nahe legten, durchweg als irrelevant qualifiziert. Diese und andere Textpassagen wurden wörtlich von der BfR übernommen, wie aus Unterlagen hervorgeht, die der FR vorliegen. Der angesichts dessen wenig überraschende Tenor der BfR-Stellungnahme lautete: Glyphosat sei bei sachgemäßer Anwendung ungefährlich.

Experten streiten seit Jahren

So einfach ist die Sache aus wissenschaftlicher Sicht indessen nicht. Experten streiten seit Jahren darüber, wie gefährlich das Pflanzengift tatsächlich ist und ob es in der EU für weitere zehn Jahre zugelassen werden sollte. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte Glyphosat im Frühjahr 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ klassifiziert. Und auch der US-Bundesstaat Kalifornien setzte die Substanz in diesem Juli auf die Liste potenziell krebserregender Chemikalien. Von einer solchen Einschätzung ist die EU-Kommission weit entfernt. Im Gegenteil: Vor acht Wochen sprach sich die Kommission für eine Zulassungsverlängerung von Glyphosat um weitere zehn Jahre aus. Begründung: Die europäischen Agenturen für Lebensmittelsicherheit (Efsa) und Chemikalien (Echa) hätten in ihren Stellungnahmen keine nennenswerten Bedenken gegen die Anwendung des Mittels geltende gemacht.

An dieser Stelle kommt der Stellungnahme des BfR zentrale Bedeutung zu: Deutschland nämlich ist innerhalb der EU das federführende Land für die Glyphosat-Zulassung. Das dem Bundeslandwirtschaftsministerium unterstellte BfR zeichnet für die wissenschaftliche Bewertung verantwortlich, die es anschließend den EU-Behörden weiter leitete. So gelangten die Monsanto-Passagen via BfR in die Stellungnahmen der Efsa, die wiederum der Kommission als Entscheidungsgrundlage dienten. Viel mehr Bock zum Gärtner geht nicht.

So sehen das auch die Grünen, die seit langem eine Hersteller-unabhängige Gefährlichkeitsanalyse für Glyphosat fordern. Das BfR habe „in weiten Teilen einfach von Monsanto“ abgeschrieben, die Efsa habe diese Bewertung „blind übernommen“ und dem Giftstoff so einen „amtlichen Persilschein“ ausgestellt, kritisieren Fraktionschefin Kartrin Göring-Eckardt und Glyphosat-Experte Harald Ebner. Ebner hatte bereits 2015, als erstmals Vorwürfe wegen mutmaßlicher Copy-and-Paste-Praktiken des BfR bezüglich Glyphosat laut geworden waren, eine entsprechende Anfrage an die Bundesregierung gestellt. In der Antwort vom 29. Juni 2015 heißt es , das BfR habe „alle von den Antragstellern vorgelegten Originalstudien sowie in wissenschaftlichen Zeitschriften publizierte Studien in eigener Verantwortung detailliert geprüft und qualitätsgesichert bewertet“.

Zu den neuerlichen Vorwürfen teilt das BfR nun mit, man habe „sowohl die gesetzlichen Studien der Antragsteller als auch alle weiteren relevanten und verfügbaren Studien sorgfältig und detailliert in eigener Verantwortung geprüft und bewertet“. Wer da von wem abgeschrieben hat, ist fast schon egal. Fest steht: Der Gärtner hat’s verbockt.

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