Lade Inhalte...

Glücksspiel „Unser Produkt ist nicht gefährlich“

Ralf Schäfer-Roye, Betriebsrat bei Löwen, verteidigt im Interview mit der FR die Interessen der legalen Glückspiel-Produzenten gegen Kritik von außen.

Las Vegas
Las-Vegas ist die Hauptstadt der Glücksspielautomaten. Foto: rtr

Ziemlich leer ist es in den Hallen von Löwen Entertainment in Bingen, als Ralf Schäfer-Roye im Betriebsratsbüro direkt neben der Fertigung sein Interview gibt. In der Produktion gilt die 35-Stunden-Woche, so dass die Kollegen Freitagmittag ins Wochenende gehen können. Der Arbeitnehmervertreter muss sich aber noch den Fragen zur Spielsucht stellen. Auch in dieser Debatte lässt er deutlich erkennen, wie sehr er sich mit seinem Unternehmen identifiziert. 

Herr Schäfer-Roye, spielen Sie selber an Glücksspielautomaten?
Einige, wenige Erfahrungen habe ich gesammelt. 

Wenn man Spielautomaten herstellt, reizt es dann nicht mehr, selber dort sein Glück zu versuchen? 
Probiert habe ich es immer mal wieder. Aber damit war es auch genug für mich persönlich. 

Was war Ihr höchster Gewinn? 
Den habe ich in Las Vegas erzielt, wo ich einmal gespielt habe. Mit Ein-Cent- und Zwei-Cent-Stücken habe ich 80 Dollar gewonnen.

Und der größte Verlust?
Wenn ich mal fünf Euro eingesetzt habe, sind die meistens auch verloren gegangen. 

Was würden Sie machen, wenn Sie Kinder aus Ihrer Familie oder Ihrem Freundeskreis an Spielautomaten antreffen würden?
Wenn die jungen Leute über 18 Jahre alt sind, ist es erlaubt. Dann würde ich auch nicht einschreiten. Aber ich würde auch schon darauf hinwirken, dass da nicht zu viel Geld verspielt wird. 

Als Betriebsrat vertreten Sie die Interessen der Beschäftigten von Löwen Entertainment in Bingen. Geht es Ihnen dabei allein um den Erhalt der Arbeitsplätze oder spielen andere Kriterien wie der Kampf gegen Glücksspielsucht eine Rolle?
Uns im Betriebsrat geht es natürlich zunächst einmal um die Arbeitsplätze unserer Kollegen. Das ist ein produzierendes Unternehmen hier. Wir sehen uns als Teil der Unterhaltungselektronik. Und die Mitarbeiter produzieren ein Gerät so wie andere eine andere Maschine fertigen. 

Andererseits fördern diese Geräte die Spielsucht, die viele Menschen in große Not führt. 
Suchtentstehung ist doch viel komplexer. Sie hat vor allem mit der persönlichen Lebenssituation zu tun. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist die Zahl der Spielsüchtigen seit Jahren konstant auf einem niedrigen Niveau. Die Löwen-Gruppe tut außerdem sehr viel für den Spielerschutz. Sie hat zusammen mit zwei großen Kunden von uns extra die Gesellschaft für Spielerschutz und Prävention gegründet, die sich in den Spielhallen vor Ort um dieses Anliegen kümmert. Der Spielerschutz ist sehr wichtig. Für uns ist entscheidend, dass sich unsere Gruppe absolut legal verhält und auch nach außen ihrer Verantwortung gerecht wird. Das ist absolut gewährleistet. Für uns als Betriebsrat stehen aber die Belange der Beschäftigten im Vordergrund.

Bekommen Sie im Alltag negative Reaktionen zu spüren, wenn Sie auf Festen im Bekanntenkreis von Ihrer Arbeit erzählen?
Persönlich habe ich noch keine negativen Situationen erlebt. Von meinen Freunden sagt niemand: ‚Oh Gott, wie kannst Du da nur arbeiten‘?! Das habe ich auch von Kollegen noch nie gehört. Das Unternehmen ist seit bald 70 Jahren hier am Standort tätig. Früher hatten wir noch eine sehr große Fertigungstiefe mit Stahlbau, Kunststoff-Spritzerei und Blechfertigung. In Bingen hieß es in der Schule: Du musst bei der NSM unterkommen, wie das Unternehmen früher hieß. Das war das Ziel. Jeder hat versucht, seine Kinder hier unterzubringen. Die Arbeitsplätze waren zukunftssicher und attraktiv. Da hat sich niemand Gedanken gemacht über Spielsucht. Die Themen kamen erst später auf. 

Attraktiver Arbeitsplatz – das heißt, die Löhne sind gut?
Die Arbeitsbedingungen stimmen. Die Leute werden ordentlich behandelt. Wir haben die 35-Stunde-Woche in der Produktion. Aber wir haben auch flexible Arbeitszeitmodelle. Viele arbeiten auch 40 Stunden, bekommen dann aber auch mehr Geld. 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen