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Gitarrenbauer Gibson rockt nicht mehr

Dem Pionier der elektrischen Gitarre droht der Schlussakkord: Der legendäre Gitarrenbauer Gibson ist nach schwerwiegenden Strategiefehlern pleite.

Gibson-Gitarre
Instrument der Wahl: Von Elvis Presley bis John Lennon spielten viele große Musiker eine Gibson. Foto: rtr

Noch auf der Elektronikmesse CES im Januar in Las Vegas war das große Zelt von Gibson ein echtes Stimmungsnest. Ständig spielten Bands auf der Bühne des legendären Gitarrenherstellers. Und im Zelt war eine Sammlung wertvoller historischer Instrumente aufgebaut. Zum Beispiel die „Flying V“, mit der Slash – der Instrumentalist mit dem Zylinderhut – von Guns N’ Roses, harten Rock gespielt haben soll. Auch der Beatle George Harrison war ein Nutzer der Produkte der Firma Gibson. Er hat sein Instrument in einem Song thematisiert: „While My Guitar Gently Weeps“ („Während meine Gitarre sanft weint“).

Zum Weinen dürfte vielen nun in der Tat zu Mute sein, denn die US-Firma mit dem weltberühmten Namen ist pleite – wegen eines grandios gescheiterten Expansions- und Diversifizierungsversuchs.

Die Ursprünge der Firma Gibson reichen bis ins Jahr 1894 zurück. Zunächst wurden akustische Zupfinstrumente für lange Abende mit Hausmusik gebaut. In gutbürgerlichen US-Familien waren in den Jahren um die Jahrhundertwende zum Beispiel Mandolinen, Banjos und Ukulelen angesagt. Doch der wirkliche Schub fürs Geschäft kam 1936 mit der ES-150, der ersten Gitarre, deren Klang mittels eines elektromagnetischen Tonabnehmers über Lautsprecher verstärkt wurde.

Lamento auf der Musikmesse Frankfurt

Das war genau der richtige Zeitpunkt, um in den unzähligen Swing-Big-Bands eingesetzt zu werden, die damals für die Live-Musik bei Tanzveranstaltungen sorgten. Und mit der Erfindung des Rock ‚n‘ Roll in den 1950er Jahren begann die ganz große Zeit von Gibson. Denn die E-Gitarre wurde zum wichtigsten Instrument der neuen Unterhaltungsmusik. Die Instrumentalisten, die vorne auf der Bühne standen, hatten sich in der Regel eine Gitarre umgehängt. Von Chuck Berry über Elvis Presley, Keith Richards (Rolling Stones), John Lennon bis Paul Weller.

Doch mit Hip-Hop, Techno und der am Rechner elektronisch gesampelten Musik ging auch die Nachfrage nach Gitarren zurück. Auf der Musikmesse in Frankfurt war kürzlich das allgemeine Lamento zu hören, dass weniger junge Leute das Spielen eines Instruments erlernen wollten – insbesondere Gitarre.

Das Management von Gibson, das in der US-Countrymusik-Metropole Nashville zu Hause ist, versuchte, sich aus der Strukturkrise mit einer Diversifizierungsstrategie zu retten. Man wollte zu einer „Music Lifestyle Company“ werden.

Kauf der Kopfhörer- und Lautsprecher-Sparte von Philipps

Im Juni 2014 kauften die Amerikaner dem niederländischen Elektrokonzern Philips die Sparte für Kopfhörer, Lautsprecher und DJ-Ausrüstung für 135 Millionen Dollar ab – die Produkte der Abteilung, die „Gibson Innovations“ heißt, waren auch in Las Vegas zu sehen. Für den unbedarften Laien passten die historischen Instrumente und die knallbunten Bluetooth-Speaker aber nicht so recht zusammen.

Geschäftlich hat es auch nicht gepasst. Die mit Krediten finanzierte Übernahme sei in einen Teufelskreis geraten, teilt Gibsons neuer Chefsanierer Brian Fox in einem Statement mit. Es habe letztlich an Liquidität gefehlt, um Bauteile einzukaufen und den Vertrieb anzukurbeln – schließlich expandiert das Geschäft mit Lautsprechern und Kopfhörern zwar weltweit, aber die Konkurrenz ist zugleich riesig. Gibson war zu klein, um mit Sony, Bose und Co. mitzuhalten.

Nun hat die Firma ihre Zahlungsunfähigkeit erklärt. Unter anderem können Kredite und Anleihen, die im Juli fällig wären, nicht zurückgezahlt werden. Der Schuldenberg ist 500 Millionen Dollar hoch. Das Gibson-Management will sich durch Insolvenzverfahren sanieren, dafür wurden bereits neue Kredite über 135 Millionen Dollar eingesammelt.

Eine Reihe von Anleihegläubigern hat laut dem Finanzdienst Bloomberg Anderes vor: Das Management soll ausgetauscht werden und das Unternehmen sich wieder auf das traditionelle Geschäft mit Instrumenten konzentrieren. Immerhin verkauft Gibson jährlich noch 170.000 Gitarren in 80 Ländern.

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