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Gesundheitspolitik Techniker Krankenkasse führt elektronische Gesundheitsakte ein

Deutschlands größte Krankenkasse setzt die Sammlung medizinischer Daten ihrer Mitglieder im Alleingang um.

Das Beispiel ist zwar fiktiv, aber realistisch: Ein Patient kommt mit starken Schmerzen ins Krankenhaus, doch die Ursache ist nicht eindeutig. Der behandelnde Arzt benötigt die genaue Krankengeschichte. Doch der Hausarzt ist nicht erreichbar, denn es ist Wochenende. Der Bericht über die Magenspiegelung liegt beim Gastroenterologen, das Blutbild hat ein Allgemeinmediziner in einer anderen Stadt. Und der Patient selbst kann sich nicht erinnern, welche Medikamente er nimmt.

Das ist der Alltag im deutschen Gesundheitswesen. Deshalb gilt eine elektronische Patientenakte als sogenannte Killer-Applikation der Digitalisierung in der Krankenversicherung. Die größte deutsche Krankenkasse, die Techniker Krankenkasse (TK), wollte nicht warten, bis das schwerfällige deutsche System reagiert, sondern prescht nun mit einer eigenen digitalen Gesundheitsakte für seine elf Millionen Versicherten vor.

Patient bleibt Herr der Akte

„Heute werden im Zweifel Untersuchungen doppelt durchgeführt, weil das im Notfall schneller geht, als die vorhandenen Dokumente zu besorgen“, sagte TK-Chef Jens Baas bei der Vorstellung des Projektes. Die elektronische Akte mit dem Namen „TK-Safe“ solle der zentrale Ort werden, an dem die Versicherten alle wichtigen Daten sicher ablegen und jederzeit abrufen können. Baas versicherte, dass der Patient dabei stets Herr seiner Daten ist. Er könne entscheiden, ob er eine Akte will, was dort abgelegt wird und wer auf die Information zugreifen kann.

Die Krankenkasse hat die Patientenakte zusammen mit der deutschen Tochter des Computerkonzerns IBM entwickelt. Zugreifen können die Versicherten über die App der Kasse, nachdem sie ein Passwort eingegeben haben. Dort erscheint als zentrales Element eine Zeitleiste, auf der Arztbesuche, Diagnosen, die Abrechnung der Kassen mit dem Arzt sowie Befunde aufgelistet sind. Auch Impfungen und die verschriebenen Medikamente sind einsehbar. Zusätzlich können die Patienten selbst gekaufte Arzneimittel einscannen, damit die Liste vollständig ist. Später sollen die Versicherten dort auch Daten sogenannter Fitness-Tracker abspeichern können, die für Ärzte wichtige Informationen liefern können.

Im Unterschied zu einem bereits gestarteten Projekt der AOK werden bei der Techniker Kasse die Informationen zentral auf Datenspeichern von IBM in Frankfurt am Main abgelegt. Sie sollen so verschlüsselt werden, dass sie nur von den Versicherten in der App gelesen werden können. Weder IBM noch die TK selbst haben nach den Worten von Baas Zugriff. „Die Daten sind so sicher, wie es überhaupt nur sein kann“, sagte der Kassen-Chef. Ein Vertreter von IBM sicherte zu, das Unternehmen stelle nur die technische Plattform bereit. An der Nutzung der Daten sei man nicht interessiert.

Die Kasse führt die Akte allerdings nicht uneigennützig als reinen Service für die Versicherten ein: Sie rechnet mit Kostensenkungen, etwa durch den Wegfall von Doppeluntersuchungen. Baas erhofft sich aber auch, dass die Versicherten der Kasse Einblick in Informationen geben, die die Versicherung bisher nicht kennt, etwa konkrete Befunddaten. „Wenn wir darauf zugreifen dürfen, können wir Unterstützung bei der Behandlung geben“, sagte er. Seiner Krankenkasse zu viele individuelle Gesundheitsinformationen preiszugeben, gilt bei Datenschützern allerdings als heikel.

Die TK will die Akte jetzt schrittweise für interessierte Versicherte freischalten. Zunächst ist es noch nicht möglich, dass Ärzte Informationen in die Akte einstellen oder einen eigenen Zugriff haben. Der Versicherte kann aber abgelegte Befunde aus der App an den behandelnden Arzt senden. Nach den Worten von Baas ist die TK im Gespräch mit anderen Kassen und der Ärzteschaft, damit einheitliche Lösungen für alle gesetzlich Versicherten gefunden werden können. Die Akte müsse auch bei einem Kassenwechsel mitgenommen werden können.

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