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Gesundheitskarte Jens Spahn will eine „coole“ Lösung

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will eine moderne Lösung für die Verwaltung von Patientendaten. Statt einer Karte könnte es künftig eine App fürs Handy geben. Wir fassen die unendliche Karten-Story zusammen.

Krankheit
Wer wurde wann wie behandelt? Noch immer sind Krankengeschichten schlecht dokumentiert. Dabei ließe sich das mit moderner Technik längst ändern. Foto: afp

Seit 17 Jahren wird in Deutschland erfolglos versucht, die medizinische Versorgung der 72 Millionen gesetzlich Versicherten durch eine elektronische Gesundheitskarte zu verbessern. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will nun endlich Nägel mit Köpfen machen. Öffentlich spielt er mit dem Gedanken, die Karte abzuschaffen und eine „coole“ Lösung zu finden.

„Nach all den Jahren muss endlich ein digitaler Mehrwert für Patienten und Ärzte spürbar werden“, sagte Spahn der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Es gehe um „lebensnahe und nicht um technikverliebte Lösungen“. Patienten wünschten sich „einen schnellen, einfachen und sicheren Zugriff auf ihre Gesundheitsdaten – am liebsten per Handy“. Wir fassen die unendliche Karten-Story zusammen und erläutern, welche Möglichkeiten es nun gibt.

Wie wurde die Idee für eine elektronische Gesundheitskarte geboren?
Im Sommer 2001 musste der Pharmakonzern Bayer seinen Cholesterinsenker Lipobay vom Markt nehmen, weil schwere Nebenwirkungen zum Tod von mehreren Dutzend Menschen geführt hatten. Betroffen waren Patienten, die gleichzeitig ein anderes Medikament eingenommen hatten. Daraufhin kündigte die damalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) die Einführung eines „elektronischen Medikamentenpasses“ an, um derartige Wechselwirkungen von Arzneimitteln künftig zu verhindern. Das gilt als Geburtsstunde der elektronischen Gesundheitskarte. Geplant war, auf einer derartigen Karte Notfalldaten und einen Medikationsplan abzuspeichern. Außerdem sollte dort Platz für ein elektronisches Rezept und Daten aus der Patientenakte sein.

Warum wurde aus dem Projekt zunächst nichts?
In der gesetzlichen Krankenversicherung gilt das Prinzip der Selbstverwaltung. Der Gesetzgeber gibt den Rahmen vor, die Details regeln Kassen, Ärzte, Krankenhäuser und Apotheker dann untereinander. Für die Einführung der Gesundheitskarte gründeten diese Akteure das Unternehmen Gematik. Statt das Projekt voranzutreiben, wurde das Vorhaben dort jedoch durch endlose Streitereien verschleppt. Offiziell ging es zumeist um Fragen des Datenschutzes, in Wirklichkeit waren alle Seiten bemüht, ihre jeweiligen Interessen rücksichtslos durchzusetzen. Die Politik schaute tatenlos zu, obwohl sie die Entwicklung der Karte auch der Selbstverwaltung hätte entziehen können. Erst Spahns Vorgänger Hermann Gröhe (CDU) machte etwas Druck, weil er Ärzten und Kassen mit Strafzahlungen drohte.

Wie ist der Stand heute?
Inzwischen haben alle Kassenmitglieder eine elektronische Gesundheitskarte. Bis auf das aufgedruckte Passbild unterscheidet sie sich optisch nicht von der „Versichertenkarte“, die bis Ende 2014 gültig war. Die eingebaute Technik ist allerdings etwas anders. Parallel dazu hat es die Gematik geschafft, die Grundlagen für die Vernetzung der rund 200 000 Arzt- und Zahnarztpraxen aufzubauen. Basis ist das Internet. Mit neu entwickelten Geräten werden die Daten besonders sicher übertragen. Diese sogenannten Konnektoren werden derzeit in den Praxen installiert. Bisher sind allerdings noch weniger als 20 000 Praxen angeschlossen, weil die Industrie bisher nicht ausreichend Geräte liefern und installieren kann. Voraussichtlich wird das Ziel verfehlt, bis Mitte des Jahres alle Praxen anzubinden. Jetzt wird dieses Ziel für Ende des Jahres angepeilt.

Welche Anwendungen laufen schon?
Sobald eine Praxis angeschlossen ist, wird beim Einstecken der Gesundheitskarte in das Lesegerät des Arztes sofort bei der Krankenkasse überprüft, ob die Karte gültig ist und die persönlichen Daten des Versicherten noch stimmen. Das ist sinnvoll: Es wird davon ausgegangen, dass die Krankenkassen Verluste von mehreren hundert Millionen Euro im Jahr erleiden, weil angeblich verlorengegangene Karten von Nicht-Versicherten illegal benutzt werden. So nützlich diese Anwendung auch ist: Sie steht dennoch in keinem Verhältnis zu den bisher aufgelaufenen Kosten von 1,7 Milliarden Euro.

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