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Gesundheit Plädoyer für große Kliniken

Krankenkassen fordern einen Umbau der Krankenhauslandschaft. Denn wo viel operiert werde,sei auch die Qualität besser.

Hochtaunus-Kliniken
Die Hochtaunus-Kliniken betreiben mehrere Krankenhäuser. Foto: Renate Hoyer

Gesundheitspolitik gilt auch deshalb als schwieriges Pflaster, weil es hier nicht nur um Fakten, sondern auch um Emotionen geht. Ein gutes Beispiel dafür ist das Thema Krankenhaus: In Umfragen sagt regelmäßig eine Mehrheit der Bevölkerung, bei der Auswahl einer Klinik stünden Kompetenz und Erfahrung im Vordergrund und nicht die Länge des Anfahrtsweges. Kommt es aber dazu, dass ein wenig frequentiertes Krankenhaus Abteilungen schließt, dann gibt es einen „Shitstorm“, wie es gerade der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, in einem Interview mit der FR beschrieben hat. Die Krankenkassen erneuerten am Montag dennoch ihre Forderung, durch einen Umbau der Klinikstrukturen die medizinische Versorgung in Deutschland zu verbessern.

„Wir brauchen eine Zentralisierung und Spezialisierung der Kliniken“, sagte der Chef des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch, bei der Vorstellung eines Krankenhausreports. Bei einer derartigen Reform gehe es nicht vorrangig um die Frage, wie viele der heute 1950 Kliniken es am Ende deutschlandweit noch geben werde. Ein deutlicher Schritt wäre schon, wenn zukünftig Krankenhäuser mit mehr als 500 Betten nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel seien. Das heißt nach den Worten Litschs aber nicht, dass kleinere Häuser geschlossen werden müssten. Vielmehr gebe es neue Nutzungsmöglichkeiten, etwa durch eine Verzahnung von stationärer und ambulanter Versorgung.

Nur fünf Prozent mit mehr als 100 Betten

Tatsächlich ist die deutsche Krankenhauslandschaft eher kleinteilig: Ein Viertel aller Kliniken haben weniger als 50 Betten. Ein weiteres Viertel liegt zwischen 100 und 200 Betten. Es folgen 37 Prozent der Kliniken mit einer Bettenzahl zwischen 200 und weniger als 500. Nur fünf Prozent der Krankenhäuser haben mehr als 1000 Betten.

Die Anzahl der Betten und damit auch die der Patienten erhöht die Zahl der Behandlungen, was nach allgemeiner Auffassung der Qualität zu Gute kommt: Wer viel operiert, ist in der Regel erfahrener. Das weist auch der Report anhand von Hüft-OPs nach. Gäbe es diese nur noch in Kliniken mit jährlich mehr als 100 solcher Eingriffe, stiege nicht nur die Qualität, auch der mittlere Anfahrtsweg würde sich bundesweit demnach nur von acht auf zehn Kilometer verlängern.

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