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Gesundheit Kosten für Pflege schwanken stark

Kosten für Heimplätze sind im Nordosten am niedrigsten und steigen Richtung Westen und Süden. Hessen liegt im Bundesschnitt, in NRW sind Pflegeheime am teuersten.

Pflege in Hessen
Altenpflegerin schiebt eine Bewohnerin in einem Pflegeheim in einem Rollstuhl über den Gang. Foto: imago

Es gibt nur eine Reform, die von allen Seiten unbestritten auf der Haben-Seite der abgewählten großen Koalition steht: Seit Anfang 2017 werden Demenzkranke bei der Pflege genauso behandelt wie Menschen mit körperlichen Gebrechen. Hunderttausende Betroffene erhalten damit erstmals überhaupt Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung.

Es bleibt allerdings dabei, dass die Pflegeversicherung nur eine Teilkasko-Absicherung ist. Die Eigenanteile der Versicherten für ein Pflegeheim sind zwar im Schnitt etwas gesunken, doch bundesweit gibt es nach wie vor extreme Unterschiede. Das zeigt der am Donnerstag veröffentlichte Pflegereport der Barmer Krankenkasse.

Am tiefsten in die eigene Tasche greifen müssen nach der Auswertung der Daten von über 11 000 vollstationären Einrichtungen die Pflegebedürftigen in Nordrhein-Westfalen. Dort kostet ein Heimplatz im Schnitt 2252 Euro im Monat. Es folgen das Saarland (2194) und Rheinland-Pfalz (1895). Im Mittelfeld liegen unter anderem Berlin (1802) und Hessen (1684). Am billigsten ist ein Heimplatz in Sachsen-Anhalt, wo nur 1107 Euro fällig sind.

Unterschiede bestehen auch auf kommunaler Ebene

Anders als früher zahlen Pflegebedürftige seit der Reform für einen Heimplatz einen Eigenanteil, der unabhängig von der Schwere der Pflegebedürftigkeit ist. Mit diesem „Einrichtungseinheitlichen Eigenanteil“ soll verhindert werden, dass Patienten in einer Pflegeeinrichtung schlechter gestellt werden, wenn ihr Pflegegrad steigt. 

Hinzu kommen die Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie die gesondert in Rechnung gestellten Investitionskosten. Auch diese schwanken zwischen den Ländern sehr stark. Aus diesen Beträgen ergibt sich der insgesamt von den Pflegebedürftigen zu zahlende Eigenanteil. Die Leistungen der Pflegeversicherung sind dabei schon berücksichtigt.

Im bundesweiten Schnitt beträgt der Eigenanteil 1691 Euro. Dabei ist allerdings die Streuung nach Berechnungen der Barmer beachtlich: Für ein Viertel der Einrichtungen liegt der Eigenanteil unter 1286 Euro, bei einem anderen Viertel bei über 2053 Euro. Bei 121 Einrichtungen müssen sogar über 3000 Euro im Monat gezahlt werden.

Nach der Auswertung der Barmer zeigen sich die Unterschiede nicht nur auf Länderebene, sondern auch bei der Betrachtung der Kreise und kreisfreien Städte. Hier sieht man dann eine Zweiteilung Deutschlands in einen eher preiswerten nordöstlichen und einen überwiegend teuren südwestlichen Teil.

Personalkosten sind entscheidend für Zuzahlungen

Wichtigster Grund für die unterschiedlich hohen Zuzahlungen sind die Personalkosten. Sie werden durch mehrere Faktoren bestimmt, die von Land zu Land anders sind. So verdient eine Pflegefachkraft in Nordrhein-Westfalen im Schnitt brutto 2692 Euro im Monat, in Berlin 2271 Euro und in Sachsen-Anhalt nur 1743 Euro.

Auch hat jedes Bundesland eigene Vorgaben dafür, wie viel Personal ein Heim haben muss. So soll eine Vollzeitkraft in Berlin rechnerisch 3,9 Pflegebedürftige mit Pflegegrad II versorgen. In NRW muss sich eine Pflegekraft um 4,7 Heimbewohner kümmern, in Schleswig-Holstein sogar um 5,4 Bewohner. Eine Rolle spielt auch die Höhe der Pflegesätze, die Pflegekassen und Heimbetreiber in jedem Bundesland gesondert aushandeln.

Interessant ist auch der Vergleich mit der Zeit vor der Reform. Dabei muss berücksichtigt werden, dass kein Pflegebedürftiger, der schon 2016 Leistungen aus der Versicherung erhalten hat, schlechter gestellt wurde. Dafür sorgt eine Besitzstandsregelung. Es werden also nur Entlastungen weitergegeben, keine Belastungen.

Ohne diesen Schutz würden sich die Eigenanteile der Patienten in der früheren Pflegestufe I fast durchweg erhöhen. In der Pflegestufe II kommt es in der Mehrzahl der Bundesländer zu einer Entlastung. In Stufe III zahlen Pflegebedürftige überall weniger, im Schnitt beträgt die Entlastung 79 Euro im Monat.

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