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Gerhard Schick Freiwillig in die APO

Gerhard Schick war der Bankenexperte der Grünen und ein anerkannter Kritiker der Finanzindustrie. Nun hat er den Bundestag verlassen, um eine Bürgerbewegung aufzubauen.

Gerhard Schick
Gerhard Schick will „fair und faktenbezogen“ streiten. Foto: peter-juelich.com

Auf Twitter hat sich Gerhard Schick zum Jahresende verabschiedet. Mit einem Video stehend vor den leeren Regalen in seinem Abgeordnetenbüro in Berlin. Bundestag ist für den gebürtigen Baden-Württemberger seit 1. Januar nach 13 Jahren Geschichte. Der Ex-Abgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, der den Wahlkreis Mannheim vertreten hat, und weit über seine Partei hinaus anerkannte Finanzexperte der Ökopartei geht einen großen und durchaus gewagten Schritt – hin zu der von ihm mit etlichen Mitstreitern ins Leben gerufenen „Bürgerbewegung Finanzwende“. Im Bundestag hat der 46-jährige Diplom-Volkswirt, der an der Universität Freiburg promoviert hat, seit 2005 finanzpolitisch viel bewegt. Aber bei weitem nicht genug, wie Schick glaubt.

„Die Macht der Finanzbranche ist ungebrochen“, hat er bei seiner letzten Rede im Parlament Mitte Dezember gesagt. Zehn Jahre nach der Finanzkrise hat sich in den Augen Schicks wenig, viel zu wenig zum Besseren gewendet. Auf dem Finanzmarkt sei immer noch keine Ruhe eingekehrt, er bleibe wackelig, intransparent und zu komplex. Zum Nachteil vieler Menschen, wie Schick glaubt, weil sie unter anderem um ihre Altersvorsorge fürchten müssen. Er beklagt, dass es immer wieder zu Finanz- und Anlageskandalen komme, dass in der Anlageberatung zu viel falsch laufe, dass die Stützung und Rettung von Banken Milliarden an Steuergeldern gekostet habe. Dabei verdammt Schick die Finanzbranche nicht generell. Es gebe durchaus anständige Banken und anständige Banker. Von denen im Übrigen nicht wenige Schicks Expertise schätzen.

Auch wenn der 46-Jährige im Bundestag einiges auf den Weg gebracht und sich vor allem um die Aufdeckung des Cum-Ex-Skandals verdient gemacht hat, sieht er noch vieles im Argen liegen.

Die Finanzkrise suche sich immer neue Opfer. Dies soll die Bürgerbewegung Finanzwende ändern – als quasi außerparlamentarische, überparteiliche Organisation. Er sei überzeugt, dass er mit einer zivilgesellschaftlichen und breiten Bewegung besser und effektiver für ein gerechtes Finanzsystem streiten könne, sagt Schick. Die Bürgerbewegung soll ein Gegenpol bilden zur „übermächtigen“ Finanzlobby, die Regulierungsbemühungen verwässert oder ganz ausgebremst habe.

Mehr Eigenkapital für Banken, eine echte Finanztransaktionssteuer, eine unabhängige Finanzberatung, eine faire Altersvorsorge und der Stopp der Immobilienspekulation gehören unter anderem zu den Zielen, die sich der Verein gesetzt hat. Dafür will Schick, der Mitglied der Grünen bleibt, „fair und faktenbezogen“ streiten, mit schlagkräftigen Argumenten, mit Unterschriftenlisten, aber auch mit öffentlichen Aktionen. Bloßes Skandalisieren aber ist nicht sein Ding. Gerne würde er mit seiner Bewegung so einflussreich werden wie die Umwelthilfe oder Foodwatch.

50 renommierte Mitstreiter/-innen hat der 46-Jährige für seine Idee als Gründungsinitiatoren gewonnen, unter anderen Ex-Arbeitsminister Norbert Blüm, den Wirtschaftsweisen Peter Bofinger, Finanzprofessor Martin Hellwig, Gesine Schwan, die 2009 für die Wahl zur Bundespräsidentin kandidiert hat, und den Deutschen Gewerkschaftsbund. Und auch Ex-Investmentbanker Rainer Voss, der sagt, dass man den Kapitalismus vor den Kapitalisten schützen müsse.

Für drei Jahre sei die Finanzierung der Bürgerbewegung gesichert, unter anderem durch vier Stiftungen, darunter die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung und die Stiftung der Unternehmerfamilie Schöpflin, betont der Verein. Dazu haben Schick, der als Vorstand fungiert, seine Mitstreiter und sein Team bislang mehr als 1000 Fördermitglieder gewonnen. „Die starke Resonanz auf unseren Start hält nach wie vor an“, sagt Schick.

Dass Bundestagsabgeordnete freiwillig ausscheiden, ist zwar nicht ungewöhnlich. Aber in der Regel wechseln sie auf gut dotierte Positionen bei Verbänden und Unternehmen. Schick dagegen springt ins kalte Wasser. Und arbeitet erst einmal ehrenamtlich von einem kleinen Büro in Berlin mit einem vierköpfigen Team. Dass ihm der Abschied aus dem Bundestag nicht leichtfällt, räumt er offen ein. Er sei ein begeisterter Parlamentarier, sagt er bei seinem letzten Auftritt im Bundestag. Keine Reden mehr, keine Debatten in Untersuchungsausschüssen, keine Einsicht in wichtige Dokumente, keine Reisen mehr zu wichtigen Tagungen, etwa zu Jahrestreffen des Internationalen Währungsfonds (IWF), der zugleich ein Welt-Banken-Gipfel ist und viele wichtige Einblicke bietet.

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