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Genfood Genmanipuliertes Essen nur per App erkennbar

Nach Abschluss des umstrittenen Freihandelsabkommens TTIP könnten die Amerikaner ihre genmanipulierten Produkte auch auf dem deutschen Markt anbieten. Nach den derzeitigen Plänen wäre das Genfood nur mit Hilfe einer Smartphone-App zu erkennen.

Smartphones sollen künftig über den Gen-Food Anteil von Lebensmitteln informieren. Der Verbraucherschutz lehnt das Modell ab. Foto: REUTERS

Anders als in den USA sind gentechnisch veränderte Lebensmittel in Europa so gut wie unverkäuflich. Umfragen belegen seit Jahren eine weit verbreitete Ablehnung von Genfood quer durch alle Bevölkerungsschichten und Altersgruppen. Gleichwohl möchten US-Lebensmittelkonzerne nach Abschluss des umstrittenen Freihandelsabkommens TTIP mit der EU Gentechnikerzeugnisse auch auf dem europäischen Lebensmittelmarkt anbieten. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hat von seinem USA-Besuch im Dezember den Vorschlag der Amerikaner mitgebracht, Informationen zu gentechnisch veränderten Rohstoffen und Tierfuttermitteln auf den Barcodes der Verpackungen zu speichern. Die Kunden könnten die Codes dann mit dem Smartphone scannen und die Infos lesen. Was würde das für Verbraucher bedeuten?

Werden gentechnisch veränderte Lebensmittel bisher gekennzeichnet?
Ja, seit mehr als zehn Jahren ist die Kennzeichnung Pflicht. Sowohl frische Erzeugnisse wie etwa Mais als auch Zutaten müssen auf der Verpackung gut lesbar als gentechnisch verändert gekennzeichnet sein. Auf den europäischen Märkten haben sich solche Produkte bisher allerdings nicht durchgesetzt.

Was ist mit gentechnisch veränderten Futtermitteln?
Hierfür gibt es in der EU keine gesetzliche Kennzeichnungspflicht. Umgekehrt werben aber Lebensmittelhersteller damit, kein Genfutter zu verwenden. Bei Biolebensmitteln ist Genfutter generell verboten. Andererseits wird die Mehrzahl der Hühner, Schweine und Rinder in Europa mit Genfutter gemästet. Die EU führt jährlich rund 35 Millionen Tonnen Sojafutter ein, wovon rund 80 Prozent gentechnisch verändert sind. Daher ist es für große Mastbetriebe, Restaurantketten und Einzelhandelsunternehmen schwierig, auf Fleisch zu verzichten, das gänzlich ohne Genfutter erzeugt wurde. Vor allem der niedrigere Preis ist verlockend. So verwendet McDonald’s nach jahrelanger Abstinenz seit April 2014 wieder mit Genfutter gemästete Hähnchen. Umgekehrt hat Wiesenhof im Dezember angekündigt, künftig auf gentechnisch veränderte Futterpflanzen zu verzichten. Durch Genfutter verursachte Gesundheitsgefahren für den Menschen konnten bisher nicht nachgewiesen werden.

Würde der US-Vorschlag die Verbraucherinformation verbessern?
Was die Futtermittel betrifft, schon. Denn hierüber müssen die Lebensmittelhersteller bisher ja nicht informieren. Insofern wäre ein Hinweis auf dem Strichcode, den Verbraucher mittels Handy ablesen könnten, ein Fortschritt. Anders verhält es sich bei gentechnisch veränderten Lebensmitteln: Anstelle der Infos auf der Verpackung müsste der Umweg über den Strichcode gewählt werden. Der grüne Bundestagsabgeordnete Harald Ebner, der den deutschen Agrarminister im Dezember auf der USA-Reise begleitet hatte, argwöhnt, dass die Amerikaner gezielt eine schlechtere Verbraucherinformation anstreben, um Genfood in Europa marktfähig zu machen.

Wie beurteilen Verbraucherschützer den Strichcode-Vorschlag?
Das Modell trifft auf breite Ablehnung. „Die bisher klare, gut zugängliche und für die Verbraucher verständliche Information auf den Verpackungen soll über den Umweg des Strichcodes entschärft und verwässert werden“, sagt Heike Moldenhauer, Gentechnikexpertin beim BUND. Zudem werde ein großer Kundenkreis ausgeschlossen, wenn zum Lesen der Informationen ein Smartphone oder andere technische Geräte notwendig seien. „Ich denke, die Kulturtechnik des Lesens sollte ausreichen, um an wichtige Informationen zu gelangen, ohne dass man zum Kauf und zur Nutzung teurer technischer Geräte gezwungen wird.“ Zudem sei unklar, was mit den Daten kritischer Kunden geschehe, die häufig Gentechinformationen über den Strichcode abrufen.

Können Produktinformationen über das Smartphone nicht auch eine Bereicherung sein?
Als zusätzliche Informationsquelle: ja. Als alleinige: nein. Der BUND bietet selbst einen solchen Service an: Mit der App ToxFox können Informationen über hormonell wirksame Chemikalien in Kosmetika und Pflegeprodukten über das Scannen der Verpackungen abgerufen werden. Seit Einführung im Juli 2013 wurden mehr als zehn Millionen Produktinformationen abgefragt, 350 000 Verbraucher nutzen ToxFox, mehr als 20 000 Produkte sind erfasst. „Das ist ein gutes Angebot und doch nur ein Notbehelf, weil es gesetzliche Regelungen zur Angabe von hormonell wirksamen Bestandteilen nicht gibt“, sagt Moldenhauer. Das sei beim Genfood aber anders, eine Smartphone-Lösung in diesem Bereich daher nicht akzeptabel.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier TTIP und Ceta

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