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Gen-Weizen Kalkulierte Kontamination

Kritiker werfen dem Bundesamt vor, hohe Risiken bei einem Gen-Weizenversuch geduldet zu haben. Von Stephan Börnecke

Protest gegen Gen-Weizen (Archiv). Foto: ddp

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit BVL hat im Genehmigungsverfahren für einen umstrittenen Versuch mit Gen-Weizen auf dem Gelände der Genbank in Gatersleben offenbar größere Bedenken gehabt, als sich dies im Genehmigungsbescheid dieser Behörde vom April 2006 niederschlug.

So hat der Chef der Abteilung Gentechnik des BVL, Hans-Jörg Buhk, in einem Begleitschreiben zur Genehmigung dem Betreiber von Versuch und Genbank, dem Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung IPK, nahegelegt, "den Standort für die Vermehrung" der in Gatersleben gelagerten Weizenmuster, nicht aber die Gen-Versuche selbst "zu verlagern". Er halte dies wegen der "vielen Einwendungen mit Bezug auf die räumliche Nähe zur Genbank für geboten", so Buhk in einem Schreiben, das eine jetzt veröffentlichte Dokumentation der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft AbL und der Organisation "Gendreck-weg" zitiert. Der Versuch wurde abgebrochen, nach dem Gentechnik-Kritiker die Versuchsfläche teilweise zerstört hatten.

Gegen sechs Feldzerstörer begann am Dienstag vor dem Oberlandesgericht Naumburg ein Berufungsverfahren. Ihnen wird vorgeworfen, im April 2008 ein Versuchsfeld in Gatersleben zerstört zu haben. Das IPK hatte sie auf Schadensersatz in sechsstelliger Höhe verklagt. Das Landgericht Magdeburg bejahte zwar die Ersatzpflicht, verwarf aber die vom IPK beanspruchte Höhe.

Beide Organisationen halten dem BVL als Genehmigungsbehörde vor, die Gefahr einer Kontamination der Bestände der Genbank damals in Kauf genommen zu haben. So hatte das BVL einen Abstand von nur 500 Metern zwischen Gen-Weizenversuch und der Vermehrung der herkömmlichen Kultursorten vorgeschrieben. Anders das Bundesamt für Naturschutz, das eine Distanz von einem Kilometer als nötig erachtete. Die Dokumentation zitiert Studien, wonach es "wissenschaftliche Nachweise über Flugdistanzen von vermehrungsfähigen Pollen noch in ein bis 2,7 Kilometer Entfernung in Pollenfallen gab". Dies sei jedoch vom BVL mit dem Hinweis gekontert worden, dass diese Erkenntnisse aus Versuchen mit größeren Feldern als jenen in Gatersleben stammten.

Hauptvorwurf der Genkritiker ist, dass sich das BVL "gleichgültig" gegenüber dem Schutz der in Gatersleben bewahrten Kulturpflanzen verhalten habe. Statt die Gefahr einer Vermischung auszuschließen, habe das Amt den Fall einer Kontamination einkalkuliert: Es habe, schreiben die Autoren unter Berufung auf BVL-Quellen, "mit hohem Aufwand verbundene Rückkreuzungen von gentechnisch kontaminierten Landsorten" empfohlen. In Gatersleben lagern mehr als 30.000 Muster verschiedener Weizenformen, womit die Genbank zu den größten Erhaltungsstellen für Weizen weltweit zählt.

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