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Geldgeschäfte Kundenfang über soziale Netzwerke

Onlineplattformen locken mit vermeintlich lukrativen Geldanlagen. Verbraucherschützer warnen vor der Gefahr hoher Verluste.

Finanzen
Beim Forex-Handel wird auf die Veränderung von Wechselkursen bei Devisen gewettet. Foto: rtr

Wer besucht schon noch eine Bank, wenn sich Geldgeschäfte bequem online und bei geringeren Gebühren über Internetplattformen erledigen lassen? Gerade in diesem Bereich ist das Netz aber voller unseriöser Anbieter, weiß Wolf Brandes. Er ist Leiter des Marktwächterteams Finanzen bei der Verbraucherzentrale Hessen und steht vor einer neuen Masche, gegen die auch Strafverfolgungsbehörden hierzulande weitgehend machtlos sind.

Es geht um Geschäfte mit sogenannten Differenzkontrakten (CFD) und Forex-Handel, was nicht so exotisch und verbreiteter ist, wie es klingt. „Wir haben Fälle zu 43 Onlineplattformen aus zwölf Bundesländern“, sagt der Experte zu einer Betrugsform, die derzeit bundesweit stark zunimmt.

CFD und Forex-Handel seien zwar spekulative Geschäfte, würden aber auch von seriösen Anbietern offeriert, die sich zum Beispiel im deutschen CFD-Verband zusammengeschlossen haben, stellt Brandes klar. Bei CFD schließen Verbraucher riskante Wetten über die Kursentwicklung einer Aktie oder einer Kryptowährung ab. Geht die Wette auf, locken zumindest bei seriösen Anbietern satte Gewinne. Im anderen Fall droht aber auch Totalverlust. Ähnlich funktioniert der Forex-Handel. Hier wird auf die Veränderung von Wechselkursen bei Devisen gewettet.

Auf Kundenfang geht der unseriöse Teil der Plattformen oft über soziale Netzwerke, erzählt Brandes. Verbraucher erhielten dort professionell gemachte Werbevideos mit Links zur Eröffnung eines Handelsdepots auf dubiosen Online-Plattformen. Brandes nennt 24option.com oder xmarkets als Beispiele. Letztere würden dabei wohl nicht zufällig dem seriösen Internetarm der Deutschen Bank xmarkets.db.com ähneln.

Mutige Zocker würden offensiv mit satten Gewinnchancen gelockt. „Anfangs wird ein kleines Startkapital von meist 250 Euro gefordert“, sagt Brandes. Viele Anleger, die sich bei Verbraucherzentralen bundesweit beschwert haben, würden von anfänglichen Gewinnen berichten. „Anfüttern“, nennt das der Experte. Dann nehme jemand, der sich als persönlicher Broker bezeichnet, per E-Mail oder Chat Kontakt zu den Gewinnern auf und versuche sie in größere Investments zu treiben. Sobald dann höhere Summen auf dem Konto einer betrügerischen Trading-Plattform eingegangen sind, fangen die Probleme an.

„Die Auszahlung von Guthaben wird verschleppt oder verweigert, die persönlichen Broker sind dann meist nicht mehr erreichbar oder sie belästigen Verbraucher, die aussteigen wollen, mit Telefonanrufen“, beschreibt Brandes den üblichen Gang der Dinge. „Es gibt Fälle, wo es um fünfstellige Summen geht“, sagt der Experte zum individuellen Schadenspotenzial. Da etliche der Plattformen an exotischen Orten wie den Marshall-Inseln oder Samoa und damit weit außerhalb des Geltungsrechts von EU-Gesetzen registriert sind und Depots auf entsprechenden Auslandskonten verwaltet werden, hätten Verbraucher kaum eine Chance, wieder an ihr Geld zu kommen.

Auch Strafverfolgungsbehörden würden sich deshalb schwer tun, derartigen Onlinebetrügern das Handwerk zu legen. Verbraucherschützer könnten wenig mehr tun als warnen. Am spekulativen Charakter der Anlagen allein könne man schwarze Schafe nicht erkennen, sagt Brandes. Finanzwetten seien auch bei seriösen Anbietern von der Natur her riskant, selbst wenn es dort keine Probleme gebe, an eventuelle Gewinne zu kommen.

Bei unseriösen Anbietern im Internet fehle aber oft das Impressum. Auch bei einem Sitz auf fernen Inseln im Pazifik, Bulgarien oder Zypern sollten die Alarmglocken läuten, rät Brandes. Von den 43 Anbietern, zu denen es Beschwerden gebe, sei keine einzige Adresse in Deutschland registriert, sagt der Verbraucherschützer.

Neben wachen Verbrauchern hofft er auf die deutsche Finanzaufsicht Bafin und ihr europäisches Pendant Esma. Letztere hat diesen Sommer erst den Verkauf von binären Optionen – einer anderen Variante von Finanzwetten – an Privatanleger in der EU verboten. Schwarze Schafe, die sich dort getummelt haben, seien seitdem aber sehr schnell auf CFD und den Forex-Handel umgeschwenkt.

„Teilweise begegnen uns hier dieselben Anbieternamen wieder“, sagt Brandes. Im August hat die Bafin auch vor CFD-Geschäften gewarnt, die auf Plattformen ohne EU-Lizenz abgewickelt werden. Im Zweifel sollten Verbraucher sich aber wohl grundsätzlich eher von Misstrauen als der Gier nach schnellem Geld leiten lassen.

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