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Gehalt steigt Noch mehr Geld für die Banker

Die Finanzkrise ist noch lange nicht vorbei. Doch die Banken zeigen sich wieder zunehmend selbstbewusst, die Zeit des großen Sparens scheint vorbei. Große Institute zahlen ihren Mitarbeitern inzwischen wieder deutlich höhere Gehälter.

12.03.2013 17:22
Von Grit Beecken
Im Londoner Bankenviertel lebt es sich gut: Die großen Geldhäuser zahlen wieder deutlich bessere Löhne. Foto: dpa/Rain

Die Finanzkrise ist noch lange nicht vorbei. Doch die Banken zeigen sich wieder zunehmend selbstbewusst, die Zeit des großen Sparens scheint vorbei. Große Institute zahlen ihren Mitarbeitern inzwischen wieder deutlich höhere Gehälter.

In London lohnt sich ein Jobwechsel in der Finanzbranche: Wer derzeit bei einem neuen Arbeitgeber anheuert, der bekommt im Schnitt 23 Prozent mehr Gehalt. Angestellte bei der US-Investmentbank Goldman Sachs verdienten im vergangenen Jahr 8,8 Prozent mehr als 2011 und bei der Deutschen Bank sind die Personalkosten im vergangenen Jahr um 5,9 Prozent gestiegen.

Banker sein lohnt sich im fünften Jahr nach Ausbruch der Krise anscheinend immer noch. Inmitten von Massenentlassungen und Bescheidenheitsversprechen haben Großbanken insgesamt 275 Milliarden Euro an ihre Mitarbeiter ausgeschüttet. Das sind zehn Milliarden Euro mehr als 2011.

Politiker toben

Die Zahlen stammen von der Nachrichtenagentur Reuters, die die Personalkosten der 35 weltgrößten Banken ausgewertet hat. Im Schnitt verdiente jeder der 3,25 Millionen Banker demnach im vergangenen Jahr 87.400 Euro. Das größte Plus gab es mit elf Prozent bei der dänischen Danske Bank.

Angesichts solcher Daten toben die Politiker: „Mich bestätigt das in der Auffassung, dass wir an der Vergütungs-Front etwas tun müssen“, sagt Europaparlamentarier Philippe Lamberts. Ende Februar hatte Brüssel entschieden, dass Bonus-Zahlungen für Bank-Manager nur noch so hoch sein dürfen wie ihr Grundgehalt.

Lediglich bei Zustimmung der Aktionäre ist eine Vergütung in doppelter Höhe möglich. Zudem will die EU-Kommission eine Gesetzesinitiative auf den Weg bringen, die Aktionären eine stärkere Mitsprache über Vorstandsbezüge einräumt.

Schließlich ist es der Öffentlich kaum zu vermitteln, dass sie für Banken haften muss und die Institute ihrerseits Milliarden Euro ausschütten. Bei der teilverstaatlichten Bank of Ireland, die 2012 einen Verlust von 2,1 Milliarden Euro erlitt, stieg die Pro-Kopf-Vergütung um rund vier Prozent. Der Reuters-Auswertung zufolge haben etliche Häuser 2012 trotz rückläufiger Gewinne mehr Geld an ihre Mitarbeiter ausgeschüttet.

Bürger auf der Palme

Solche Zahlen würden viele Bürger auf die Palme bringen, erzählt die britische Europa-Abgeordnete Sharon Bowles. „Die Menschen sind sehr verärgert, wenn so etwas in Banken passiert, die vom Staat gestützt werden. Sie denken: Hier geht es um unser Geld. Warum bekommen die immer noch so viel bezahlt?“

Manche Banken wie das US-Privatkundeninstitut Wells Fargo stehen zu den höheren Gehältern. Man beteilige seine Mitarbeiter eben am Unternehmenserfolg, sagt eine Sprecherin. Im vergangenen Jahr bedeutete das ein Gehaltsplus von zwei Prozent, im Durchschnitt verdienen die Wells-Fargo-Mitarbeiter umgerechnet 83.000 Euro pro Jahr. Die Bank hat 2012 vor Steuern 28,5 Milliarden Euro verdient, das sind fast fünf Milliarden Euro mehr als im Vorjahr.

Andere wie Goldman Sachs mögen das aus ihrer Sicht leidige Gehaltsthema nicht mehr diskutieren. Dort liegt das Durchschnittsgehalt bei umgerechnet 310.000 Euro.

Und die Deutsche Bank mahnt im Umgang mit derartigen Daten zur Vorsicht. Zwar hat die Pro-Kopf-Bezahlung bei Deutschlands Branchenprimus im vergangenen Jahr trotz eines Gewinn-Einbruchs um sechs Prozent zugelegt. Diese Zahlungen enthielten einer Sprecherin zufolge auch Bonuszahlungen, die bereits 2009 zugesagt und dann gestreckt worden seien. Außerdem seien Abfindungszahlungen in den Zahlen enthalten. Die Deutsche Bank ist dabei, jede zehnte Stelle im Investmentbanking zu streichen.

Auf Letzteres verweisen auch andere Häuser. Insgesamt strichen die 35 untersuchten Geldhäuser im vergangenen Jahr 93.000 Stellen und mussten die geschassten Mitarbeiter mitunter fürstlich abfinden.

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