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Wohnungsbaugenossenschaften Prämien als Lockmittel

Genossenschaften haben einen guten Ruf. Einige schwarze Schafe sorgen jedoch immer wieder für Ärger. Verbraucherbeschwerden reißen daher nicht ab. Die Gastwirtschaft.

11.01.2018 17:19

Dumm, wenn man’s nicht macht!“ – so gehen manche Wohnungsbaugenossenschaften bei YouTube auf Kundenfang. Die Anbieter rechnen in Filmchen vor, dass bei einer Beteiligung mit Hilfe eines Arbeitgeberanteils, der Wohnungsbauprämie und vermögenswirksamen Leistungen nur einen Eigenanteil von 22 Prozent zu zahlen ist. Bei einer solchen Anlage kann man nichts falsch machen. Oder doch? Der Haken bei der Sache: Diese maximale Förderung bekommt nicht jeder, im Kleingedruckten findet sich eine Kündigungsfrist von fünf Jahren und im schlimmsten Fall droht sogar der Totalverlust. Alles Theorie? Mitnichten. Erst kürzlich musste die Wohnungsbaugesellschaft Eventus eG Insolvenz anmelden. Statt der versprochenen „3,85 Prozent Festzins p. a. krisensicher & kostenfrei“ verlieren Kleinanleger jetzt vermutlich ihr Geld.

Schätzungsweise 2000 Wohnungsbaugenossenschaften gibt es in Deutschland. In vielen Fällen nehmen diese Geld an und verwalten es seriös in Form von Beteiligungen mit dem Ziel, Wohnraum zu schaffen. Einige wenige versuchen jedoch mit aggressiven Verkaufsmethoden Verbraucher über den Tisch zu ziehen. So ist zu erklären, dass sich Meldungen über Wohnungsbaugenossenschaften bei den Verbraucherzentralen häufen.

In den Beschwerden geht es etwa um dreiste Vertriebsmethoden. So berichten Verbraucher, dass sie anfangs keinen Abschluss eines VL-Vertrages als Genossenschaftsbeteiligung gewünscht hatten, sondern einen Kredit brauchten. Windige Finanzvermittler bieten jedoch Anteile mit Kredit an. Begründung: Mit Abschluss des Sparvertrags würde sich die Bonität verbessern, da man als Kunde Sparbereitschaft signalisiere. Besonders blöd standen die Verbraucher da, wenn aus dem Kredit nichts wurde – die Beteiligung aber zustande kam.

Den Spruch „Dumm, wenn man nichts macht“ könnte man auch auf die Überwachung bei Genossenschaften anwenden. Mittlerweile haben Politik, Verwaltung und Aufsicht realisiert, dass sich unter den Genossenschaften schwarze Schafe verstecken. So wurde das Genossenschaftsgesetz Mitte 2017 in einzelnen Punkten verbessert. Jetzt will man den Markt genau beobachten. Verbände haben Checklisten erstellt, anhand derer Verbraucher seriöse Genossenschaften erkennen können. Bleibt abzuwarten, ob diese Maßnahmen ausreichen.

Der Autor ist Teamleiter „Marktwächter Finanzen“ bei der Verbraucherzentrale Hessen.

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