Lade Inhalte...

Wirtschaftswachstum Ein goldenes Jahrzehnt

Deutschland geht es gut. Aber wir sollten uns nicht auf den Erfolgen ausruhen. Die Liste mit inländischen Herausforderungen ist lang.

15.08.2018 16:04

Auf Altbewährtes setzen, ohne Strukturreformen und wenig neue Investitionen, gewürzt mit einer Prise Selbstgefälligkeit – und doch gewinnen? Was der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in Russland nicht gelang, hat die deutsche Konjunktur im zweiten Quartal eindrucksvoll bewiesen. Das deutsche Wirtschaftswachstum ist in die Spitzengruppe Europas zurückgekehrt. Auf dem Erfolg ausruhen sollte man sich trotzdem nicht.

Beim Anblick aller internationalen Krisenherde vergisst man schnell, dass es Deutschland gut geht. Die Wirtschaft geht gerade in ihr zehntes Jahr mit fast ununterbrochenem Wachstum. Ein goldenes Jahrzehnt. Nie hatten mehr Menschen einen Job, die Löhne steigen, die Zinsen sind niedrig, mittlerweile ziehen sogar die Investitionen wieder an. Dieser Mix erklärt, warum die deutsche Konjunktur auch trotz Trump, eines möglichen Handelskrieges sowie vieler Krisennachrichten rundum die Welt robust in den Sommer gegangen ist. Die Unsicherheiten nehmen zwar zu, aber der Wirtschaft schaden sie (noch) nicht.

Je länger der aktuelle Aufschwung dauert, umso größer wird die Anzahl der Abschwungspropheten. Es ist eine einfache Rechnung. Alles was steigt, muss irgendwann mal wieder sinken. Dabei hat die letzte Fed-Vorsitzende, Janet Yellen, schon gesagt, dass Wirtschaftsaufschwünge nie an Altersschwäche sterben. Das goldene Jahrzehnt könnte also durchaus noch eine Weile weitergehen. So lange jedenfalls die Unsicherheiten von außerhalb das bleiben, was sie sind: Unsicherheiten und keine neue Realitäten.

Denn natürlich hätten ein wirklicher Handelskrieg zwischen den USA und Europa, Finanzkrisen, ausgehend von Schwellenländern wie Russland oder der Türkei, oder eine neue Eurokrise das Potenzial, den Aufschwung sofort abzuwürgen.

Was passiert, wenn man sich all zu sehr auf den Erfolgen der Vergangenheit ausruht, hat man diesen Sommer in Russland gesehen. Für die deutsche Wirtschaft gilt es darum jetzt in einer Situation der absoluten Stärke, die Weichen für eine genauso erfolgreiche Zukunft zu stellen. Die Liste mit inländischen Herausforderungen ist lang: Digitalisierung, demographischer Wandel, Bildung und Innovation sind nur einige Themen, bei denen Deutschland nicht mehr spitze ist und bei denen Investitionen und Strukturreformen höchst notwendig sind. Einiges bewegt sich, aber das Tempo muss deutlich erhöht werden.

Der Autor ist Chefvolkswirt der Bank ING-Diba in Frankfurt.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen