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Wertpapiere Geschenke klug wählen

Dem Enkel schenkt man auch gerne einmal ein Wertpapier zu Weihnachten. Doch was unterm Christbaum liegt, sollte man auch verstehen / Die Gastwirtschaft

08.11.2017 16:49

Im Jahr 2009 trällerte die für Bundeswertpapiere zuständige Finanzagentur: „Mit der stilvollen Geschenkkarte für Bundesschatzbriefe wird das wertvolle Weihnachtsgeschenk auch optisch ansprechend überreicht.“ Drei Jahre später war Schluss mit den Schätzchen, die Papiere mit Stufenzins wurden eingestellt. Die einfachen Zinspapiere waren ein Ladenhüter geworden.

In Zeiten von Riester, Direktinvestments und Zertifikaten ist klar: Geldanlagen sind moderner und komplexer geworden. Heute wäre ein Nachrangdarlehen wohl ein zeitgemäßes Weihnachtsgeschenk. Die Produkte versprechen gute Zinsen – wie einst der Bundesschatzbrief – und Darlehen klingt auch ein bisschen nach Anleihe. Anders als beim Bundesschatzbrief dürften die meisten Verbraucher aber daran scheitern, die wesentlichen Eigenschaften eines Nachrangdarlehens zu erklären.

Eine aktuelle Studie über Schadensfälle am Grauen Kapitalmarkt der Verbraucherzentralen kommt zu dem Ergebnis, dass in 64 Prozent der untersuchten Fälle die Verbraucher die grundlegenden Eigenschaften ihres Anlageproduktes nicht verstanden hatten. Den Anlegern war zum Beispiel nicht klar, ab welchem Zeitpunkt sie über ihr Geld wieder verfügen können, oder sie hatten nicht verstanden, dass sie bei ihrer Investition Eigenkapitalgeber sind – also eher wie Aktionäre behandelt werden und eben nicht, wie bei einem Bundesschatzbrief, Schuldner bei einem sicheren Emittenten sind.

Kaufen Sie nur, was sie verstehen – das sagt man gerne bei der Geldanlage. Aber was heißt verstehen? Wer sich eine Salatschleuder zulegt, kann das Wirkungsprinzip durch Anschauung schnell begreifen. Wer einen Laptop kauft, wird wohl grundlegend verstehen, wie er damit arbeitet – jedoch kaum das Zusammenwirken von Prozessor, Grafikkarte und Arbeitsspeicher.

Ähnlich verhält es sich beim Investieren: Aktie und Schatzbrief sind einfache Produkte. Wenn es um Beteiligungen oder Nachrangdarlehen geht, hört es mit dem Verständnis der Details schnell auf. Die wesentlichen Eigenschaften – Risiken, Kapitalrückzahlung, Art der Erträge – sollte ein Anleger aber schon erfasst haben. Erst recht wenn es darum geht, dem Enkel zu Weihnachten ein Wertpapier unter den Weihnachtsbaum zu legen.

Der Autor ist Teamleiter „Marktwächter Finanzen“ bei der Verbraucherzentrale Hessen.

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