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Welthandel Fremde oder Freunde?

Vor allem in Deutschland sind die chinesischen Firmenübernahmen in letzter Zeit stark gestiegen. Der Kauf eines chinesischen Hightech-Betriebs durch deutsche Investoren ist momentan aber noch undenkbar. Wir brauchen gleiche Spielregeln!

20.04.2017 17:04

Anfang des Jahres traf sich die Finanzwelt in Davos. Damals überraschte der chinesische Staatschef mit einem „Nein zum Protektionismus“. Wenn man sich diese Woche in Washington zur Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF)wieder trifft, können Deutschland und Europa dieses chinesische Bekenntnis auf den Prüfstand stellen.

China und Deutschland streiten sich nun seit einigen Jahren um den Titel Exportweltmeister. Beide Länder haben enorm von der Globalisierung profitiert, ohne sich dabei zu sehr in die Quere zu kommen. Vereinfacht gesagt nutzt China billige Massenproduktion für den eigenen wirtschaftlichen Aufstieg, während Deutschland die Welt (und China) mit hochwertigen Industriegütern versorgt. Diese Freundschaft steht jetzt allerdings auf dem Prüfstand.

Nachdem China sich jahrelang mit Grundstoffen in Afrika eingedeckt hat, will man nun die Entwicklung vom Billiglohnland zur Technologie-Elite flankieren mit der Anhäufung von technologischem Know-how. Darum befindet man sich momentan auf Einkaufstour in Europa. Vor allem in Deutschland sind die chinesischen Unternehmensübernahmen in letzter Zeit stark gestiegen.

Was auf den ersten Blick wie eine willkommene Investitionsspritze aussieht, die den Investitionsstau und auch Nachfolgeprobleme auf einen Schlag behebt, könnte auf den zweiten Blick zur Gefahr für die deutsche Industrie werden. Nicht nur wegen eines möglichen Technologie- und Wissensausverkauf, sondern auch wegen der Stärkung einer direkten Konkurrenz auf den internationalen Märkten.

Das Beruhigungsargument ist dann häufig, dass chinesische Investitionen langfristig orientiert sind, hochwertige Arbeitsplätze schaffen und erhalten und sich das Tor nach China über die neuen Investoren öffnet. Für beides, Chancen und Risiken, gibt es bisher keine Beweise. Eins steht allerdings fest: Eine Übernahme eines chinesischen Hightech-Betriebs durch deutsche Investoren ist momentan undenkbar.

Bevor man vor vollendete Tatsachen gestellt wird, sollten Deutschland und Europa China schnellsten auf gleiche Spielregeln für alle Investoren drängen. So kann man die Gunst der Trump-Stunde nutzen und enger zusammenrücken. Oder man stellt fest, dass es im Welthandel keine Freunde gibt. Wie sang schon Howard Carpendale vor 40 Jahren? Fremde oder Freunde.

Der Autor ist Chefvolkswirt der Bank ING-Diba in Frankfurt.

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