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Verkehr Mobilität der Zukunft

Das renditeorientierte Kurzfristdenken liefert kaum Anreize für innovative Konzepte.

25.09.2018 16:49

Der „Dieselgipfel“ lässt aufhorchen. Seit Jahren nun dauert die „Dieselkrise“ an. Substanzielle Folgen für die Automobilindustrie lassen sich in Deutschland kaum ausmachen. Die Renditen der Autobauer sind hoch. Die sogenannte Dieselkrise ist ein Symptom einer Gesellschaft, die sich selbst ignoriert. Renditen stehen über Lebensqualität.

Dabei ist die „Dieselkrise“ nichts anderes als eine von der Automobilindustrie zu verantwortende Entwertung einer bestimmten Technik. Genau genommen geht es um die Entwertung von bestimmten Autos. Sie trifft vor allem diejenigen, die sich ein von der Dieselkrise betroffenes Auto zugelegt haben. Der Weiterverkauf ist schwer möglich. Eine Kompensation für diese weitgehende Entwertung ist kaum in Sicht.

Nun könnte eingewendet werden, dass diese Krise ja die ökologische Wende bei der Mobilität stützen könnte. Das scheint nicht der Fall zu sein. Ziel des „Dieselgipfels“ war allem Anschein auch nicht die nachhaltige Lösung dieses Kernproblems. Es ging eher pragmatisch darum, Fahrverbote zu vermeiden. Denn nach allem was zu hören ist, wird dabei weiterhin stark auf Individualverkehr und damit Autos gesetzt.

Pendeln ist ein Muss für alle diejenigen, die nicht in unmittelbarer Umgebung des Arbeitsplatzes leben. Mobilität wird auch erzwungen, weil bezahlbarer Wohnraum in Ballungsgebieten knapp ist. An dieser Stelle wird ganz klar, dass Politik facettenreiche Auswirkungen auf die gesellschaftliche Spaltung hat. Nachrüstungen für einige vorhandene Fahrzeuge und Prämienmodelle beim Neukauf sollen helfen, drohende Fahrverbote zu vermeiden. Damit wird der Automobilindustrie eine große Chance geboten, ihre hausgemachten Probleme überzuwälzen. Denn Entwertungen von veralteten Technologien beflügeln den Markt. Steigende Absatzzahlen für neue Produkte sind die Folge. Renditen werden gesichert. Es zahlen diejenigen, die auf Mobilität angewiesen sind.

Dabei ist schon jetzt klar, dass weitere technologiebedingte Entwertungswellen durch den Autosektor rauschen werden. Das ist gewissermaßen schon jetzt ein Zukunftssicherungsprogramm für die Industrie. Dies gilt umso mehr, als dass die Zukunft andere Mobilitätskonzepte erfordern wird. Anreize, schon jetzt langfristig nachhaltige, kreative Mobilitätslösungen auf den Markt zu bringen, liefert das renditeorientierte Kurzfristdenken kaum.

Die Autorin ist Professorin
für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Bremen.

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