Lade Inhalte...

US-Defizit Schwarzes Dollar-Loch

Warum die USA sich weiterhin massiv verschulden können.

15.06.2018 13:49

Stellen wir uns ein Land vor, das ein Defizit von 804 Milliarden US-Dollar aufweist und das in den nächsten 18 Monaten 2340 Milliarden US-Dollar zur Finanzierung einer beispiellosen staatlichen Ausgabenorgie am Kapitalmarkt aufnehmen muss. Der Wechselkurs befindet sich in freiem Fall, die Kurse der Staatsanleihen auch, Hans-Werner Sinn ruft in der Sonntags-Talkshow das Armageddon aus.

Interessanterweise passiert nichts von dem, denn es handelt sich um die Vereinigten Staaten. Bei einer Arbeitslosigkeit von vier Prozent das größte Defizit aller Zeiten zu fahren, ist schon eine riskante Strategie, aber der Dollar und auch die Zinsen überstehen diesen heißen Ritt ziemlich unbeschadet.

Der Grund dafür liegt darin, dass die USA wie ein gigantischer Staubsauger Dollar aus der Welt saugen. Neben der Finanzierung des Defizites ist vor allem das Abschmelzen der Bilanz der amerikanischen Zentralbank dafür verantwortlich. Sie sammelt das Geld, das in den vergangenen Jahren über die Ankäufe von Anleihen in die Wirtschaft injiziert wurde wieder ein und wird so quasi zu einem schwarzen Loch, in dem monatlich 50 Milliarden Dollar verschwinden. Das weltweite Dollar-Angebot nimmt also stark ab.

Auf der Nachfrageseite haben wir Länder mit riesigen Außenhandelsüberschüssen wie China oder Deutschland, die auf der Suche nach sicherer Anlage für diese Mittel nicht am Dollar und den USA vorbeikommen. Auch viele Entwicklungsländer befinden sich in einer Zwickmühle, denn sie selbst und dort ansässige Unternehmen sind massiv in Dollar verschuldet und benötigen diese für Zins- und Schuldendienst. Zur Jahreswende 2017/18 hat diese Entwicklung bereits zu einer Notsituation geführt, in der in einem ausgetrockneten Markt unter Druck stehende Schuldner sieben oder acht Prozent für den Zugang zu kurzfristiger Dollar-Liquidität bezahlt haben.

All dies hat auch eine wichtige politische Komponente: Für Donald Trump wäre ein fallender Dollar ein Zeichen der Schwäche und außerdem steht die unausgesprochene Drohung Chinas im Raume, seine gigantischen Bestände an US-Staatsanleihen als Disziplinierungsinstrument einzusetzen. Vor dem Hintergrund der oben beschriebenen Entwicklungen scheint allerdings unwahrscheinlich, dass dem amerikanischen Präsidenten von dieser Front Unbill droht.

Der Autor ist ehemaliger Investmentbanker .

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen