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Ungleichbehandlung Hört auf zu quengeln!

Frauen müssen ihre Opferhaltung ablegen. Statt ständig auf Unterschiede zu Männern hinzuweisen, sollten sie nach Gemeinsamkeiten schauen. Die Gastwirtschaft

13.07.2018 15:49

Ich bin eine Frau und bewege mich beruflich hauptsächlich in sogenannten Männerdomänen. Als Ingenieur-Informatikerin war ich meistens die einzige Frau in den Führungskreisen und auch heute arbeite ich in Organisationen mehr mit Herren in Managementpositionen. Darauf werde ich von Frauen oft angesprochen. Wie ich die Ungleichbehandlung der Geschlechter denn erlebe und wann die Herren mal soweit seien, dies zu beenden? Wir Frauen hätten doch so viel zu geben. Empathie, emotionale Intelligenz und die restliche lange Liste angeblich weiblicher Qualitäten, die unsere Unternehmen dringend bräuchten.

Um es deutlich zu sagen: Das nervt. Die Diskussion ist nicht zielführend, die Unterstellungen halbseiden und die Denkmuster eindimensional. Wenn wir Frauen die Diskussion so führen, bleiben wir in einer Opferhaltung und warten darauf, dass andere (die Herren nämlich) die Welt für uns verändern. Werden sie nicht. Und das liegt nicht daran, dass jeder Einzelne ein Silberrücken oder Alpha-Männchen ist, sondern am gesellschaftlichen Spiel. Soll heißen, ein System versucht so zu bleiben, wie es ist. Veränderung braucht Irritation und die erreichen wir nicht mit Quengeln, sondern mit Tun.

Es gibt sie ja, die erfolgreichen Frauen in Spitzenpositionen. Denken wir an Angela Merkel oder Andrea Nahles. Beide haben sicher einen Beitrag für den Feminismus geleistet, werden aber von einigen, sich als Feministinnen bezeichnenden Frauen, des Antifeminismus bezichtigt, weil sie diesen nicht dauernd wie ein Schutzschild vor sich hertragen.

„Was ist denn anders, wenn Männer hier sitzen?“, fragen Frauen oft, wenn ich Führungsthemen mit ihnen bespreche. In Diskussionen, Artikeln und Beiträgen ist auffallend, wie sehr wir Frauen auf das ‚Anders‘ fokussieren. So wird getrennt, in männliche Fähigkeiten und weibliche Eigenschaften. Dabei sollte doch einleuchten, dass Inklusion schwerer wird, wenn gleichzeitig immer die Unterschiede vorangestellt werden. Zumal ich nicht auf diese weiblichen Qualitäten reduziert werden möchte. Solange wir unterscheiden, trennen wir.

Vielleicht ist dem Feminismus mehr geholfen, wenn wir uns darauf konzentrieren, welche Probleme wir gemeinsam lösen müssen, denn davon haben unsere Organisationen und unsere Gesellschaft genug.

Die Autorin ist Managementberaterin. Zuletzt erschien von ihr das Buch „Die Irrtümer der Komplexität“.

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