Lade Inhalte...

Umweltschutz Europa braucht den Glyphosatausstieg

Nächste Woche entscheidet die EU-Kommission über die Neuzulassung des Unkrautvernichtungsmittels. Die Entscheidung in Brüssel ist auch ein Testfall für Jamaika.

03.11.2017 16:04

Am nächsten Donnerstag treffen sich wieder die Vertreter der EU-Mitgliedstaaten und der EU-Kommission, um über die Neuzulassung des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat zu entscheiden. Bei den vorigen Treffen des zuständigen Ausschusses blieb jüngst der Vorschlag ohne Mehrheit, die Zulassung um zehn Jahre zu verlängern. Das EU-Parlament hat gegen die Stimmen der Christdemokraten beschlossen, dass die Zulassung für Glyphosat bis 2022 auslaufen soll. Über 270 000 Europäerinnen und Europäer unterstützen inzwischen unsere Petition, Glyphosat vom Acker zu holen. Über eine Million Europäer hatten vorher eine „Europäische Bürgerinitiative“ gegen Glyphosat unterzeichnet. Alles zusammen ist ein Triumph der Zivilgesellschaft über die Agrarlobby um Monsanto. Die deutsche Bundesregierung hat sich bisher enthalten, denn die Christdemokraten wollen das Ackergift auf den Feldern behalten. Die Enthaltung ist zwar politisch zu wenig, wirkt aber im Abstimmungsverfahren wie ein Nein.

Gerade wird das Grab für Glyphosat geschaufelt, zum Wohle von Artenvielfalt und Gesundheit. Jetzt muss es um das Datum für die Beerdigung des Ackergifts gehen. Doch tatsächlich wird jetzt eine Beruhigungspille für die Öffentlichkeit vorbereitet: Die EU-Kommission will die Glyphosat-Zulassung um lediglich fünf Jahre verlängern. Angeblich will die Bundesregierung um drei Jahre verlängern. Beide Vorschläge haben eines gemeinsam: Es geht nicht um ein Auslaufen der Zulassung sondern um eine Verlängerung. Nur eben verkürzt. Die Idee ist offensichtlich: Bei einer kürzeren Frist haben die kritischen Mitgliedsländer etwas erreicht und die Pro-Glyphosat-Staaten müssen das Gift nicht vom Acker holen. Doch Umwelt und Gesundheit schauen dabei in die Röhre.

Die Entscheidung in Brüssel ist auch ein Testfall für Jamaika. Für Grüne kommt es nicht so sehr darauf an, ob die Übergangsphase für das Ackergift ein Jahr länger oder kürzer ist. Entscheidend ist aber, dass das Gift verbindlich vom Acker kommt und wir damit einer Landwirtschaft näher kommen, die Insekten und Vögel genauso leben lässt, wie unsere Gesundheit schützt. Dazu ist es höchste Zeit, dass die deutsche Bundesregierung sich für ein gemeinsames Ausstiegsdatum engagiert.

Der Autor sitzt für die Grünen im EU-Parlament und hat eine Online-Petition gestartet:

ww.change.org/glyphosat

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum