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Umweltschutz Die Zeit wird knapp

Wir fahren ökologisch immer noch mit Volldampf gegen die Wand. Wie weit wollen wir noch gehen? Die Gastwirtschaft.

02.11.2017 16:04

Achtzig Prozent aller Insekten sind irgendwie „verschwunden“. Das gleiche gilt für 60 Prozent aller Brutvogelpaare. Der Flächenverbrauch in Deutschland wurde nicht gestoppt. Wichtige Urwaldregionen werden immer noch gerodet. Der Ecocide – die systematische Vernichtung der Mitgeschöpfe – schreitet immer weiter voran. Die Erderwärmung auf über drei Grad scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein, mit verheerenden Folgen. Bodenerosion, Wirbelstürme, Hurrikane, Waldbrände und die Landwirtschaft zerstören die Lebensgrundlagen immer mehr Menschen, Tiere und Pflanzen überall auf der Welt.

Doch in Brüssel und Berlin wacht trotzdem niemand auf. Selbst eine mehrjährige Glyphosat-Zulassung ist immer noch auf dem Tisch. Als Einstieg in den Ausstieg. Ohne Zweifel ein Erfolg der Bürgerbewegung. Aber erst dann eine Wende, wenn die ökologische Agrarreform erkämpft ist und die Ernährungswende greift. Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren. Denn wenn der WWF Recht hat, entscheidet sich die Zukunft spätestens 2020. Nur wenn wir in diesen Jahren die Wende einläuten, können wir das Schlimmste verhindern.

Wir fahren ökologisch immer noch mit Volldampf gegen die Wand. Das ist unchristlich, das ist unmenschlich und ein schweres Verbrechen. Wie weit wollen wir noch gehen – ohne dass der Aufstand der Anständigen endlich beginnt? Anstatt diese Gefahren zu bekämpfen, setzen die Koalitionspartner in spe die falschen Signale. Was nützen mehr Arbeitsplätze, bessere Schulen und ein bisschen mehr Rente – wenn die Überlebens-Probleme der Menschheit nicht gelöst werden. Wenn Millionen an Hunger sterben, während das alternde Deutschland am Überfluss erstickt. Der Markt wird es nicht richten. Und die Konsumenten ohne die Politik und die Wirtschaft auch nicht.

In Siena wurde Mitte Oktober ELGA gegründet. Ein Zusammenschluss von Juristen, Wissenschaftlern und Umweltaktivisten aus aller Welt, die einen juristischen Paradigma-Wechsel fordern. Sie halten es für zwingend erforderlich, umgehend eine neue Rechts-Ordnung zu schaffen, die die Gesetze der Natur anerkennt. In Bonn und Nürnberg finden Konferenzen statt, die die Eigenrechte der Natur fordern. Denn ob es uns gefällt oder nicht: Die Natur sitzt Tag für Tag über uns zu Gericht.

 

Die Autorin ist Ökonomin und Philosophin.

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