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Umweltschutz Auf Plastik-Diät

Um Wal und Albatros zu retten, reicht es nicht, auf die Politik zu warten. Sie und ich können schon heute beginnen. Machen wir beim nächsten Einkauf den ersten Schritt!

29.06.2018 17:19
Anna-Lena Hodenberg

Wie kommt mein Einwegfeuerzeug in den Magen eines Albatrosses vor Hawaii? Warum liegt meine Plastiktüte im Bauch eines Wals an der Küste von Indonesien? Eigentlich sollte das unmöglich sein. Denn Feuerzeug und Tüte kommen in Deutschland in den gelben Sack und werden recycelt oder verbrannt. So die Theorie. Doch in der Praxis geht auch unser Plastikmüll auf toxische Reisen und wird weltweit gehandelt. Im letzten Jahr gingen Millionen Tonnen nach China. Der Wind trägt leichte Kunststoffe dann in die Meere. Und so wird möglich, was nicht sein soll. Mein Plastik wird zu Gift für Wal und Albatros.

Die Lösung der EU: bis 2030 nur noch recycelbares Plastik produzieren. Das gefällt der Kunststoffindustrie – immerhin 60 000 Unternehmen mit 350 Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Die kann so weiter in Massen produzieren. Und das recycelbare Plastik landet im Zweifelsfall wieder im Meer.

Viel besser ist die neueste Initiative der EU-Kommission: Sie will bestimmte Einwegprodukte wie Plastikgeschirr komplett verbieten. Doch Mitgliedstaaten und EU-Parlament müssen erst noch zustimmen.

Wer schon jetzt etwas ändern will, muss auf Diät. Plastik-Diät. Denn wer weniger konsumiert, schmeißt auch weniger weg. So eine Plastik-Diät ist simpel. Das Stück Seife spart den Flüssigspender, die Taschentücher-Box die Einzelpäckchen und das Waffeleis den Becher. Coffee-to-go im eigenen Behälter statt Plastikbecher ist nur eine Frage der Gewohnheit. Und Glas ist schwer, das stimmt. Aber Glasflaschen machen bis zu vierzig Mal die Runde. Den meisten Müll macht das Einweg-Plastik - nie länger als fünf Minuten in Gebrauch.

Plastik-Detox geht auch bei der Körperpflege. Mikroplastik in Kosmetik gelangt durch unser Abwasser ins Meer und zieht Umweltgifte an. In Großbritannien und Kanada verboten, müssen wir deutschen Verbraucher selbst drauf schauen. Dabei helfen Apps wie Code Check und Beat The Microbead.

Und bei Kleidung? Im Hitze-Mai war es gut zu riechen: Beimischungen wie Elasthan, Acryl oder Polyester. Alles Kunststoffe, alle unverrottbar. Das stinkt doppelt. Baumwolle, Seide oder Wolle sind grüne Alternativen.

Um Wal und Albatros zu retten, reicht es nicht, auf die Politik zu warten. Sie und ich können schon heute beim Plastik abspecken – machen wir beim nächsten Einkauf den ersten Schritt.

Die Autorin ist Campaignerin bei Campact.

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