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Türkische Lira Zufrieden mit dem Euro

Die Lira-Krise lehrt uns, eine stabile Währung zu schätzen.

17.08.2018 15:49

Es wird gesagt, aus jeder Krise kann man etwas lernen. Man könnte hinzufügen: Außer die Akteure an den Finanzmärkten, aber sei es drum. Aber was lehrt uns nun das Gerangel um die türkische Lira? Zunächst und vor allem, dass wir uns glücklich schätzen können, den Euro zu haben. Eine starke Währung, kontrolliert von einer Notenbank, die weiß, was sie tut und dies auch konsequent umsetzt. Eine stabile Währung ist Voraussetzung für politische Stabilität und diese wiederum für Wirtschaftswachstum, ihre Abwesenheit öffnet die Flanken der betroffenen Volkswirtschaften und macht sie in einem freien Wechselkurssystem angreifbar für Spekulanten. Man kann viele Aktionen der EZB kritisieren, aber das „Whatever-it-takes“-Mantra des Mario Draghi wirkt.

Man stelle sich vor, Europa wäre in den 90ern in eine ähnliche Situation geraten. Die italienische Lira wäre als erstes furchtbar unter die Räder gekommen und den DM-Nostalgikern sei gesagt, der Blick in die Vergangenheit verklärt manches. Damals hatten wir mit Handelspartnern auf Länderbasis zu tun, heute sind es ganze Länderverbünde. Ein einst im Sinne der Außenwirtschaftstheorie „großes“ Land wird da ganz schnell zum „kleinen“ mit völlig anderen Regeln.

Ein weiterer Aspekt ist die Zukunftsfähigkeit einer Währung. Die kopflosen amerikanischen Aktionen werden zur Folge haben, dass der Dollar als Leitwährung wegen seiner Unberechenbarkeit langfristig aus dem Spiel genommen wird. Die Achse China, Russland und Iran wird nach einem alternativen Zahlungsmedium suchen. Ob dies dann der Yuan, eine neue goldgedeckte Währung oder gar eine Kryptowährung werden wird, spielt zunächst einmal keine Rolle. Wichtig ist dann, dass unsere eigene Währung die kritische Größe hat, um in den Reserveportfolios der Zentralbanken und Investoren zu bestehen, denn sonst droht die Lufthoheit über den Wechselkurs verloren zu gehen. Die Wortwahl suggeriert eine Kriegssituation und genau das ist es: Wie wir gerade am Beispiel der Türkei sehen könne, werden die Kriege der Zukunft nicht mit Kanonen, sondern mit ökonomischen Waffen geführt werden; hier heißt es vorbereitet zu sein.

Und was den Euro angeht gilt das Zitat eines Freundes: Die zweitdümmste Idee, die wir hatten, war die Einführung des Euro. Die Dümmste ist, ihn wieder abzuschaffen. So ist das!

Der Autor ist ehemaliger Investmentbanker und Protagonist des Dokumentarfilmes „Master of the Universe“.

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