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Stereotypen Mathe nix für Mädchen?

Laut US-Studie halten Mädchen sich schon im Alter von sechs Jahren für weniger intelligent als Jungen. Stereotypen werden demnach bereits in früher Kindheit verankert.

15.03.2017 16:49

Als der jungdynamische, kanadische Ministerpräsident Justin Trudeau von einer Journalistin gefragt wurde, warum es für ihn so wichtig sei, sein Kabinett mit gleich vielen Männern wie Frauen zu besetzen, also „gender-balanced“, antwortete er lakonisch: „Weil wir im Jahr 2015 leben.“ Na also – geht doch. Und kürzlich las ich eine Meldung, wonach der britische Geheimdienst verstärkt Schülerinnen für den Kampf gegen Cyberkriminalität rekrutieren will. Weltweit sei nur etwa jeder zehnte „Spion“ weiblich. 

Obwohl wir heute bereits im Jahr 2017 sind, darf der Schweizer Professor für Volkswirtschaftslehre, Mathias Binswanger, in der „Zeit“ gleichwohl fordern: „Lasst die Mädchen doch mit Mathe in Ruhe“. Mit gewagtem Rückgriff auf die PISA-Studie behauptet er: „Mädchen haben einfach weniger Lust auf Mathematik und Naturwissenschaften, und das ist ihr gutes Recht.“ Hartnäckig halte sich der Unterschied zwischen Mädchen und Jungen, was die Leistung in Mathe und abgeschwächt in Naturwissenschaft betreffe. Da hülfen auch keine „Begeisterungskampagnen“.

Nun will eine (natürlich) amerikanische Studie herausgefunden haben, dass Mädchen sich schon im Alter von sechs Jahren für weniger intelligent halten als Jungen. Dies führe dazu, dass sich Mädchen für bestimmte Aktivitäten als „nicht geeignet“ sehen, weil sie denken, sie seien nicht schlau genug, beispielsweise Mathematik zu studieren. Diese Stereotype, so die Forscher, werde bereits in früher Kindheit verankert und später oftmals von der Gesellschaft, den Eltern und den Mädchen selbst weitergepflegt.

Könnte es vielleicht sein, dass Mädchen zu ihrem sechsten Geburtstag Barbie-Puppen und rosa Ponys bekommen, während Jungen Weltraumbahnhöfe und Autobahntankstellen zusammenbauen dürfen? Diese geschlechterstereotypen Geschenke sind Ausdruck davon, dass „den Frauen“ und „den Männern“ noch immer bestimmte Verhaltensweisen zugeschrieben werden und damit Diskriminierung begründet wird.

Vielleicht sollte Herr Professor sich einmal mit Herrn Trudeau unterhalten. Zur Ehrenrettung der „Zeit“ sei angemerkt, dass eine Woche später die Autorin Jana Gioia Baurmann für die naturwissenschaftlichen Fähigkeiten der Mädchen eine Lanze brach und andere Studien präsentierte. Deren Fazit: Gleichberechtigung sei „einer der ausschlaggebenden Faktoren dafür, wie gut oder schlecht jemand in Mathe ist“.

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