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Smart Life Die Blackbox knacken

Algorithmen bestimmen zunehmend unser Leben, doch über Transparenz, Diskriminierungsschutz, Kontrolle und Korrigierbarkeit der Verfahren wird nicht gesprochen. Die nächste Bundesregierung muss das dringend nachholen.

11.08.2017 12:49
Lina Ehrig

Algorithmen haben schon heute Einfluss auf unser Leben und unseren Alltag. Sie sind keine Zukunftsmusik, sie sind Realität – nicht nur bei Google, Facebook und Co. Verbraucher kommen zum Beispiel damit in Berührung, wenn sie einen Kredit beantragen. Der Algorithmus berechnet die Wahrscheinlichkeit des finanziellen Ausfalls – und entscheidet, ob der Verbraucher einen Kredit bekommt und zu welchen Konditionen.

Auch in der Finanzanlageberatung können Algorithmen zum Einsatz kommen. Manche Fintechs bieten Kunden in Deutschland an, ihr Vermögen algorithmenbasiert zu verwalten. Auch einige Krankenzusatzversicherungen, Online-Händler sowie Softwarehersteller beim autonomen Fahren setzen auf algorithmenbasierte Entscheidungsprozesse. Die Liste ist lang. Der Verbraucherschutz muss diese Entwicklung positiv begleiten, aber auch auf Risiken hinweisen. Wo sich Risiken abzeichnen, muss die Politik diese durch kluge Maßnahmen minimieren.

Wichtig ist, dass alle verstehen: Algorithmen fallen nicht vom Himmel. Menschen mit individuellen Wertvorstellungen und unterschiedlichen Interessen programmieren sie. Das passiert jeden Tag, ohne dass wir über Transparenz, Diskriminierungsschutz, Überprüfbarkeit, Kontrolle und Korrigierbarkeit der Verfahren sprechen. Viele Unternehmen weigern sich , Einblick zu geben, auf welche Weise Entscheidungen zustande kommen – häufig mit Verweis auf Geschäftsgeheimnisse.

Diese Intransparenz führt zu einer problematischen Wissensasymmetrie zwischen Verbrauchern und Unternehmen. Dadurch steigt das Risiko, dass Verbraucher diskriminiert und manipuliert werden. Der Einfluss von Algorithmen wächst. Deshalb muss eine unabhängige Aufsichtsinstitution die Funktions- und Arbeitsweise von Algorithmen nachvollziehen können. Nur so können ihre gesellschaftlichen und individuellen Auswirkungen evaluiert werden.

Wir brauchen dringend eine Debatte darüber, welchen Rahmen die Politik setzen muss und was wir von Algorithmen entscheiden lassen wollen. Damit dürfen wir nicht länger warten – die nächste Bundesregierung muss diese Debatte antreiben und Lösungsvorschläge anbieten.

Die Autorin ist Teamleiterin für Digitales und Medien bei der Verbraucherzentrale Bundesverband.

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