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Sexismus Es bewegt sich was

Wie die Tech-Branche mit Sexismus und Rassismus umgeht.

Sie haben ein perfektes Leben, diese Start-up’ler der Tech-Branche. Jung, gut ausgebildet, gut mit Kapital bestückt, Robert, Valentin, Max – die Namen sind austauschbar. Die Firmenbilder: alle glücklich, hier und da mischen sich ein paar Frauen darunter – Partnerin, CEO, irgendwas. Und dann das Sommerfest, das Firmenjubiläum, der Teamausflug, die Weihnachtsfeier – eine große Familie. Dann gibt es ein Bier und noch eins, ein Cocktail, ein Shot – work hard, party hard – und plötzlich lüstern sie nach der Devianz in ihrem Leben. Sie sehnen sich nach dem Fehler, den sie sonst beim Programmieren und Aufbau des Unternehmens nicht zulassen – sie sehnen sich nach dem, was zu Hause nicht ist: Dort der Rüblikuchen und hier das Baklava, das türkische Gebäck getränkt in süßen Sirup.

Sexismus und Rassismus in der jungen Tech-Branche – ist das möglich? In der Antidiskriminierungs- und Gleichstellungsarbeit ist es hinlänglich bekannt: Insbesondere in Organisationen, die sich als aufgeklärt und fortschrittlich betrachten, die stets betonen, ihr Handeln sei von objektiven Kriterien geleitet, sie arbeiteten verantwortungsvoll und bastelten an der Zukunft, ist der Prozess, die eigenen Privilegien und Fehler anzuerkennen, äußerst schwierig. Der Mythos der Modernität verstellt den Blick.

Doch es bewegt sich etwas: Uber Firmenchef Travis Kalanick musste wegen sexueller Übergriffe an Frauen und Diskriminierung gehen – die Investoren ließen nicht locker. Tech-Großinvestor Chris Sacca stand ebenfalls wegen Sexismus-Vorwürfen unter Druck, entschuldigte sich, räumte sein Fehlverhalten sowie die abschätzige, sexistische Kultur im Silicon Valley ein. Zuletzt veröffentlichte Google-Mitarbeiter James Damore ein Anti-Diversity Memo. Es wurde ihm offensichtlich zu viel: Bei Google arbeiten ein Prozent afroamerikanische und drei Prozent lateinamerikanische Tech-Mitarbeiter – befürchtete er etwa einen Sprung auf fünf Prozent? Damore wurde gekündigt.

Privilegierte Tech-Visionäre sind mitunter sexistisch und rassistisch – ja, es ist möglich. Silicon Valley, der Sehnsuchtsort der globalen Tech-Szene, debattiert und zieht Konsequenzen und es wäre wünschenswert, dass dies bis zur nächsten Weihnachtsfeier in der deutschen Tech-Startup’ler-Szene ankäme.

Die Autorin arbeitet an der TU Berlin und koordiniert das Berliner Hochschulprogramm -DiGiTal zur Förderung von Frauen in Forschung und Lehre.

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