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Sexismus Die heiße Ökonomin

Wie Frauen in der Wirtschaftswissenschaft herabgewürdigt und ausgebremst werden. Die Gastwirtschaft.

08.08.2018 16:49

Auf dem Online-Forum „Economic Job Market Rumors“, das für anonyme Posts innerhalb der Wirtschaftswissenschaft beliebt ist, werden Frauen überdurchschnittlich oft mit körperlichen Attributen wie „heiß“ oder „attraktiv“ beschrieben, während Männer eher mit akademischen Zuschreibungen bedacht werden. Mit diesem Befund hat die Masterarbeit der Studentin Alice Wu aus Berkeley die akademische Wirtschaftswelt seit letztem Sommer beachtlich aufgewühlt und eine Debatte über Status und Chancen von Frauen in den Wirtschaftswissenschaften ausgelöst.

Obwohl man die Ergebnisse nicht unhinterfragt auf die gesamte Disziplin der Ökonomie übertragen kann, erzählen sie uns doch auf ein Neues die lang gesungene und wenig gehörte Geschichte von der Objektifizierung der Frau. Wird eine Person hauptsächlich über ihre äußerlichen Attribute statt über ihre erbrachten Leistungen beschrieben, wird sie nicht (mehr) als fähiges, aktiv handelndes Subjekt wahrgenommen. Statt sie in ihrer Person und Position anzuerkennen, objektifizieren die Autoren oder Autorinnen dieser Online-Kommentare Wirtschaftswissenschaftlerinnen und sprechen damit Frauen ab, einen relevanten Beitrag zu Forschung und Lehre leisten zu können.

Aber die Kommentare an der digitalen Klotür der globalen VWL-Fakultät sind nur die Spitze des Eisbergs: Eine Studie von Heather Sarsons aus Harvard zeigt, dass Frauen durchschnittlich mehr Publikationen benötigen, um eine entfristete Stelle zu bekommen, und weniger Anerkennung für Publikationen als ihre männlichen Ko-Autoren erhalten. Außerdem müssen ihre Artikel klarer und verständlicher formuliert sein, um überhaupt für eine Publikation in Journals angenommen zu werden.

Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Karriere macht, wer männlich ist. Solange Frauen nicht ebenso wie Männer ausschließlich an ihren Fähigkeiten gemessen werden, kann es keinen fairen Wettbewerb innerhalb der Wirtschaftswissenschaften geben. Doch dieser ist bitter nötig: Immer wieder wird die Einseitigkeit ökonomischer Theorien beklagt, diese würden der Komplexität unseres Wirtschaftssystems nicht gerecht werden. Doch eine heterodoxe Wirtschaftswissenschaft ist nur möglich, wenn auch ihr Mitgliederkreis heterogen aufgestellt ist!

Die Autorin ist Mitglied des
Kollektivs für Gesellschaft und Ökonomie.

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