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Sexarbeit Ein Job wie jeder andere

Ein Einwurf zum neuen Prostitutionsgesetz

09.06.2016 13:56

Würde es dich überraschen, wenn deine Kellnerin dir sagt, dass sie ihren Job nur macht, um über die Runden zu kommen? Wie alle Jobs hat das Kellnern seine Vorteile: flexible Arbeitszeiten, interessante Gespräche mit der Kundschaft oder die Möglichkeit, Trinkgeld zu bekommen. Aber Nachtschichten, zugerauchte Kneipen und alkoholisierte Gäste sind der Gesundheit nicht gerade zuträglich. 

Trotzdem kommt niemand auf die Idee, jede Kellnerin besorgt zu fragen, ob sie ihren Job freiwillig macht. Sexarbeit ist da nicht anders, aber die immer noch andauernde Stigmatisierung steht einer offenen Debatte über ihre Vor- und Nachteile im Weg. Deshalb bleibt Sexarbeitern und -Arbeiterinnen bloß die Vernetzung untereinander, um sich über ihre Arbeit auszutauschen. Viele von ihnen arbeiten selbstständig und schätzen die Flexibilität und Unabhängigkeit dieser Arbeitsweise. Doch selbständig zu arbeiten, bringt immer ein gewisses Maß an Unsicherheit mit sich und erschwert es, sich gemeinsam zu organisieren und bessere Arbeitsbedingungen zu erkämpfen. Dieses Problem kennen auch Beschäftigte mit anderen Berufen. 

Trotzdem wird die Branche anders behandelt. Das zeigt sich zurzeit im Bundestag: Die Novelle des Prostitutionsschutzgesetzes wird Sexarbeiter und -Arbeiterinnen dazu zwingen, alle zwei Jahre ein Registrierungsgespräch zu führen, um zu beweisen, dass sie ihren Beruf freiwillig machen. Zudem müssen sie stets einen Prostituiertenausweis mit sich führen. Ein Foto des Ausweises genügt, um mit einem Outing bei Familie oder Arbeitgebern zu drohen. Diese Regelung trägt enorm zur Stigmatisierung des Jobs bei und zeigt, dass die geplanten Änderungen weder die Bedürfnisse noch die Expertise der Betroffenen berücksichtigen.

Die politische Debatte wird dabei von Menschenhandel und Zwangsprostitution dominiert, obwohl die Erfahrungen aus Österreich zeigen, dass eine Registrierungspflicht dagegen unwirksam ist. Ein legaler Markt ermöglicht es, arbeitsrechtlich zu intervenieren und bestehende, illegale Strukturen zu bekämpfen. Dies wird nicht durch aufgezwungene Registrierungen erreicht, sondern durch Arbeit gegen die Stigmatisierung von Sexarbeit als Beruf und den Aufbau von Berufsverbänden. Denn Sexarbeit ist eine Erwerbsarbeit wie viele andere, und sollte als solche verhandelt werden.

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