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Rollenbilder Frauen bekommen weniger Kredit

Längst überholte Klischees haben noch immer Einfluss auf unseren Alltag - auch auf das Wirtschaftsleben.

12.07.2017 09:04

In einer kürzlich veröffentlichten Studie, die sich mit Geschlechterstereotypen bei Spekulationsentscheidungen von Kleinunternehmen beschäftigt, erklären die Autorinnen unter anderem, dass Unternehmerinnen im Durchschnitt kleinere Kredite bewilligt bekommen und sowohl schon im Bewerbungsprozess als auch im Verhandlungsgespräch von potenziellen Geldgebern nicht ernst genommen und entmutigt werden.

Auch ältere Studien zu Vorurteilen und Klischeevorlagen beweisen, dass Frauen in verschiedensten Situationen als weniger kompetent wahrgenommen werden. Das liegt primär daran, dass Weiblichkeit mit Wärme, Emotionen und Einfühlsamkeit assoziiert wird, während Männer als rational, unkompliziert und hart gelten.

Das sind leider keine veralteten Klischees, die wenig Einfluss auf unseren Alltag haben, sondern Einstellungen, die uns jeden Tag neu beigebracht werden. Im wirtschaftlichen Handeln wird meistens davon ausgegangen, dass Rationalität vorteilhaft ist. Es findet damit sowohl eine Abwertung von sozialen und emotionalen Eigenschaften an sich als auch von Frauen statt, weil ihnen diese Eigenschaften unterstellt werden. Gleichzeitig wird bei Männern Emotionalität nicht zugelassen. Diese veralteten und engstirnigen Rollenbilder betreffen alle.

Unter anderem ist sichtbar, dass die meisten Menschen, die als weiblich gelesen werden, regelmäßig erleben, dass ihre Argumente in unterschiedlichen Kontexten als emotional abgetan und entsprechend abgewertet werden, während viele Männer diese Erfahrung nie machen mussten.

Diese abschätzige Kommentierung von Argumentationen ist nicht nur ein Totschlagargument, das Frauen jegliche Glaubhaftigkeit nimmt und sie auf ihre Hormone reduziert, sondern sorgt auch dafür, dass sie in wichtigen Diskussionen unsicherer werden und jede Wortmeldung mehrmals überprüfen, bevor sie sich melden, während ihre Kollegen nur selten kritisiert werden.

Zusätzlich werden Frauen häufig als unweiblich betrachtet, wenn sie sich hart und rational Verhalten – eine weitere Form der Abwertung. Es ist eine Zwickmühle: Frau ist emotional (und soll es sein), aber Emotionalität ist weitgehend unerwünscht. Ist Frau aber hart, wird sie als komische Abweichung betrachtet. Das verhindert Vielfalt und macht wichtige Positionen unsichtbar.

Die Autorin ist Mitglied des Kollektivs Gesellschaft und Ökonomie.

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