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Preise Die wahren Kosten

Preise bilden noch immer nicht den Verbrauch der natürlichen Ressourcen ab. Täten sie es, käme es zu gänzlich anderen Angebots- und Nachfragestrukturen.

14.05.2018 16:49

Jeder Markt ist zur Aussteuerung auf Preise angewiesen. Preise sollen die Stückkosten inklusive der Lohnstückkosten und einen Mehrwert enthalten. Auch sollen Preise Knappheiten anzeigen und damit die zur Produktion notwendigen Ressourcen in eine optimale Verwendungsrichtung bringen. Und Preise sollen auf Märkten, unter der „Peitsche“ der Konkurrenz, Angebot und Nachfrage ausgleichen. Soweit die wirtschaftswissenschaftliche Theorie.

Die Realität ist aber eine völlig andere. Die unter kapitalistischen Bedingungen realiter stattfindende Preisbildung ist nicht annähernd in der Lage, den hohen theoretischen Ansprüchen zu genügen. Zunächst einmal ignorieren Preise die Verteilungsfrage. Das Bezahlen der am Markt verlangten Preise ist kein Wunschkonzert. Darüber entscheiden immer Einkommen und Vermögen der Nachfrager. Beide sind aber bekanntlich völlig ungleich verteilt. Die Folge sind permanente Diskriminierungen von Nachfragern – geregelt über die Höhe des Preises.

Weiter steckt in Preisen wirtschaftliche Macht. Marktbeherrschende Unternehmen, sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite des Marktes, bestimmen hier regelmäßig nicht leistungsadäquat die Preishöhe mit involvierten Extraprofiten zu ihren Gunsten. Angebots- und Nachfragemachtmissbrauch pervertieren den Preisbildungsprozess täglich millionenfach. Dies führt nicht nur zur ständigen Ausbeutung der vermeintlich schwachen Marktteilnehmer, sondern auch zu schwerwiegenden Fehlallokationen in der Wirtschaft. Die von der Politik gegen Machtmissbrauch in der Wirtschaft geschaffenen Wettbewerbsgesetze sind hier nicht annähernd ausreichend. Und nicht zuletzt findet in Preisen immer noch nicht eine ausreichende Internalisierung der Natur statt. Einer der Co-Präsidenten des Club of Rome, Ernst Ulrich von Weizsäcker, hat diesbezüglich einmal die richtige Forderung postuliert: „Die Preise müssen die ökologische Wahrheit sagen.“ Das tun sie aber nicht. Täten sie es, käme es zu gänzlich anderen relativen Preisen und damit zu extrem veränderten Angebots- und Nachfragestrukturen.

Dies müsste und kann nur durch eine Umverteilung zulasten der Vermögenden ausgeglichen werden. Für die herrschende Politik eine unmögliche Vorstellung. Deshalb verzichtet Politik lieber auf die lange überfällige Preisinternalisierung der Umwelt.

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