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Plastik verdammen

Der Kunststoff ist ein riesiges Problem für die Weltmeere. Die EU-Kommission will das Problem angehen. Doch sie schenkt der Industrie schon wieder viel zu viel Gehör.

25.07.2017 17:34

Wer sich am Wellensaum der Strände in den Sand beugt, um Muscheln zu sammeln, erlebt eine Überraschung – Plastiksplitter mischen sich unter Muschelschalen, Algen und Steinchen. Schätzungen zufolge gelangen jedes Jahr zwischen 4,8 und 12,7 Millionen Tonnen Plastik in die Ozeane.

Was den Strandspaziergängern lästig ist, ist für viele Tiere tödlich. Plastik wird von Plankton, Fischen und Seevögeln gefressen und reichert sich in der Nahrungskette an. Für die Schäden wird bisher niemand zur Rechenschaft gezogen.

Die EU-Kommission moniert bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern fehlendes Problembewusstsein. Aber wer in normalen Supermärkten dem Verpackungswahn mit eigenen Gefäßen begegnen will, muss viel Zeit zum Diskutieren an den Verkaufstheken mitbringen. Jede Gurke, jeder Apfel wird eingeschweißt, der Coffee-to-go mit Plastikdeckel ist manchem tägliches Einweg-Accessoire.

Die EU-Kommission arbeitet derzeit an einer Plastik-Strategie, die Ende 2017 veröffentlicht werden soll. Dieses Dokument soll dann die Grundlage für Gesetzesinitiativen werden. Die EU könnte zum globalen Vorreiter im Kampf gegen die Vermüllung der Ozeane werden. Doch leider schenkt die Kommission schon jetzt der Industrie zu viel Gehör. Demzufolge will sie vor allem die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen für Plastik beenden und das Material in Zukunft stärker aus nachwachsenden Rohstoffen oder Kohlendioxid herstellen. Im Vergleich dazu sind die angepeilten Ziele für Plastikvermeidung und Recycling winzig.

Wenn die EU-Kommission der Meinung ist, dass die Europäerinnen und Europäer nicht von selbst auf Plastik verzichten, muss sie strenge Vorgaben zum Verzicht und zur Wiederverwendung machen, sie sozusagen zum Schutz der Meere zwingen. Und an den Kosten müssen sich die Hersteller beteiligen.

Aus unserer Kampagnenerfahrung bei Campact können wir sagen, dass ein rigoroser Plastikverzicht bei den Deutschen durchaus Zuspruch fände. Wir Deutschen als gefühlte Weltmeister in Mülltrennung wären prima Anwälte für eine ehrgeizige europäische Plastik-Strategie. Denn der Schutz der Meere darf nicht allein auf die Schultern derjenigen gepackt werden, die schon heute mit Baumwollbeutel, Tupperdose und eigenem Kaffeebecher unterwegs sind.

Die Autorin ist Teamleiterin Kampagnen von Campact.

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