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Niedrigzinsen Zinsen zahlen wir ständig

Der Zins steckt in jedem Produkt, das wir täglich kaufen. Wir zahlen also ständig Zinsen - und oft ist es vielmehr, als wir meinen. Es ist ein Fehler, sich nicht über die Niedrigzinsen zu freuen.

01.06.2015 18:12
Es ist ein Fehler, sich nicht über die Niedrigzinsen zu freuen. Foto: dpa

Dass Sparer die radikale Absenkung ihrer erhaltenen Zinsen in den letzten Jahren bedauern, ist ebenso verständlich wie die Freude der Kreditnehmer über die Entlastung. Zu beachten ist jedoch, dass sämtliche Zinsen in einer Wirtschaft, bevor sie zur Verteilung kommen, zuerst einmal gezahlt werden müssen. Denn sie gehen – erhöht noch um die Bankmarge – als Kosten für das Kapital genau so in alle Preise ein, wie die Kosten für Personal und Material. Das aber heißt: Alle Bürger – ob verschuldet oder nicht – zahlen mit jeder Geldausgabe auch alle in der Wirtschaft anfallenden Zinsen.

Und das gilt keinesfalls nur für die Verzinsung der Kredite, sondern ebenso für die des gesamten in der Wirtschaft eingesetzten schuldenfreien Eigenkapitals. Auch wenn diese Zinsanteile in keinem Preis ausgewiesen werden, gibt es also kein Handelsgut und keine Dienstleistung, bei der das nicht der Fall wäre – und zwar über alle Produktionsstufen hinweg, im Umfang der mit dem Geld- und Sachkapital verbundenen ständig zunehmenden Kosten.

Diese Kosten für das eingesetzte Kapital, ob nun selbst oder fremd finanziert, addieren sich also in jedem Endpreis genau so wie die gesamten angefallenen Lohn- und Materialkosten. Und dies gilt nicht nur für jene, an die Banken gezahlten Zinsen, sondern ebenso für die Verzinsungen des in der Produktion und dem Groß- und Einzelhandel jeweils eingesetzten schuldenfreien Eigenkapitals.

Ausgewiesen werden diese Zins-bezogenen Preisanteile nicht. Einzige Ausnahme bilden allenfalls öffentliche Kalkulationen. Diesen zufolge lagen zum Beispiel bereits in den 90er Jahren die Zinsanteile im Trinkwasserpreis bei 38 Prozent, in den Abwassergebühren bei 47 Prozent und in den Kostenmieten bei 77 Prozent – ein Zinssatz, der dann im „Sozialen Wohnungsbau“, durch öffentliche, Zins-verbilligte Finanzierungshilfen, auf 62 beziehungsweise 65 Prozent abgesenkt wurde.

Vor diesem Hintergrund wird auch die Fragwürdigkeit jener Ängste sichtbar, die Politik und Wirtschaft heute, angesichts der niedrigen Zinsen, bezogen auf die Renten wecken. Denn stellt man die Zinslasten den Zinseinnahmen gegenüber, dann profitiert die große Masse der Rentner ebenso von sinkenden Zinsen, wie auch 90 Prozent der allgemeinen Haushalte. Und Gewinner sind nur noch jene knapp zehn Prozent der Haushalte, deren Reichtum, selbst bei niedrigen Zinsen, inzwischen weiter explodiert.

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