Lade Inhalte...

Nachhaltige Entwicklung Doch nur ein Traum?

Das Finanzwesen ist noch lange nicht nachhaltig. Nichts Geringeres als eine grundlegende Reformierung ist nötig.

27.09.2017 17:04
Benoît Lallemand

Was zunächst wie ein ferner Traum klingt, ist inzwischen oben auf der politischen Agenda angelangt: Ob die Vereinten Nationen, die Europäische Kommission oder der Rat für Nachhaltige Entwicklung in Deutschland, alle suchen nach Wegen und Strategien, um das Finanzwesen nachhaltiger zu gestalten. Große Hoffnung setzt man auf die Beteiligung langfristig orientierter Investoren und der Kapitalmärkte. Wenn mehr privates Kapital in grüne, nachhaltige Investitionen fließt, so die Annahme, kann der Übergang zu einer emissionsarmen Wirtschaft und das Erreichen der Klimaschutzziele sowie der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung gelingen.

Doch all dies muss leider ein Traum bleiben, das zeigt ein realistischer Blick auf die aktuelle Banken- und Finanzdienstleistungslandschaft, solange der Sektor selbst nicht nachhaltig wird. Nichts Geringeres als eine grundlegende Reformierung des Finanzsektors ist nötig, seiner Struktur und generellen Ausrichtung.

Wahrhaft nachhaltig ist ein Finanzwesen, in dem sich verschiedenartige Geschäftsmodelle entwickeln und halten können, genauso vielfältig wie die Projekte, die sie fördern: Ob lokale Banken, Genossenschaften, Crowdfunding-Plattformen, öffentliche oder private Banken, je mehr Geschäftsmodelle existieren, umso unabhängiger werden wir von einzelnen Modellen wie Too-big-to-fail-Banken, die auf Kosten der Gesellschaft höhere Risiken eingehen, als sie dürften. Auch müssen Eigenkapitalanforderungen und Strukturreformen jener Großbanken wesentlich weiter gehen als bisher.

Darüber hinaus können Gesetzgeber Anreize schaffen, damit Investitionen in emissionsarme Technologien fließen. Die deutliche Bepreisung von CO2-Emissionen in der Realwirtschaft wäre ein Beispiel oder auch große öffentliche Investitionen zum Anstoß nachhaltiger Projekte.

Ein Klassifizierungssystem für nachhaltige Anlageformen sowie Norm und Kennzeichnung für grüne Anleihen, wie auf EU-Ebene angedacht, sind sicher auch hilfreich, solange der Finanzmarkt die Kriterien dabei nicht selbst bestimmt. Inwieweit ökologische und soziale Aspekte sowie die Art der Unternehmensführung in die Bewertung von Finanzanlagen einfließen, muss demokratisch ausgelotet werden – unser aller Zukunft hängt schließlich davon ab.

Der Autor ist Generalsekretär von Finance Watch.

Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum