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Nachhaltig Wirtschaften Unsoziale Klimapolitik

Grünes Wachstum verfestigt die Ungleichheiten und Unterdrückungsmechanismen zwischen den Geschlechtern.

25.10.2018 12:46
Lotte Maaßen

Unsere Art des Wirtschaftens ist für die meisten globalen Umweltprobleme verantwortlich. Vor zehn Jahren kam ein Konzept auf, das seither auf der Agenda von immer mehr internationalen Institutionen wie UN oder OECD steht: Grünes Wachstum soll Wohlstand schaffen und die Wirtschaft umweltfreundlich gestalten. Mithilfe technologischen Wandels soll der Umbau des Energie-, Mobilitäts- und Industriesektors gelingen, so dass die Wirtschaftsleistung bei gleichzeitigem Rückgang von Ressourcenverbrauch und Umweltverschmutzung steigt. Entkoppelung wird dieser Prozess genannt. Das Vorhaben ist nicht nur in Bezug auf seine technische Umsetzbarkeit fragwürdig. Problematisch ist auch, dass die umweltpolitischen Maßnahmen nicht auf ihre sozialen Konsequenzen geprüft werden.

Ein Blick auf die gesellschaftliche Teilung von Arbeit verdeutlicht die Auswirkungen des Konzepts auf Geschlechterverhältnisse. Frauen sind vorwiegend in sozialen Berufen tätig, während in Konstruktion oder Industrie vor allem Männer anzutreffen sind. Von Investitionen in grüne Technologien und damit einhergehenden hohen Löhnen profitieren hauptsächlich die technologielastigen, „männlichen“ Bereiche der Wirtschaft. Die sogenannte Care-Ökonomie, die sowohl Erziehungs- und Pflegeberufe, als auch unentgeltlich verrichtete Hausarbeit umfasst, spielt hingegen keine Rolle in den Konzepten des grünen Wachstums. Die strukturellen Unterschiede in der Betroffenheit der Geschlechter durch die umweltpolitischen Maßnahmen werden nicht erfasst. Ohne ein Umdenken wird der ökologisch nachhaltige Umbau der Wirtschaft mit der Verstärkung der Krise der sozialen Versorgung einhergehen. Schon jetzt bedeuten die zunehmenden Sparmaßnahmen im Pflegebereich eine Mehrbelastung von (zumeist) Frauen, die neben der Lohnarbeit private Pflege- und Hausarbeit übernehmen. Nachhaltig im Sinne einer sozialen Tragfähigkeit ist das nicht.

Eine Gesellschaft, die zwar nachhaltig mit ihren ökologischen Ressourcen umgeht, in der Ungleichheiten und Unterdrückungsmechanismen aber weiterexistieren, ist wenig erstrebenswert. Die Gestaltung einer grünen Wirtschaft muss mit einer gerechten Verteilung unbezahlter Haus- und Pflegearbeit, der aktiven Förderung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt und der Aufwertung sozialer Berufe einhergehen.

 

Die Autorin ist Studierende
der Volkswirtschaftslehre
in Berlin und Teil der Initiative „Was Ist Ökonomie?“ .

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