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Motivierte Wahrnehmung Besser entscheiden

Wie unsere Wahrnehmung unser Handeln beeinflusst. Und wie man diese Fallstricke erkennt. Die Gastwirtschaft.

27.06.2018 16:04

Ob wir als Single einen attraktiven Partner oder in der Firma einen klugen Manager suchen: Bei großer Sehnsucht und innerem Druck weist der Gesuchte allzu leicht alle Wesenszüge auf, die unser Bedürfnis stillen. Haben wir uns dann verliebt oder jemanden eingestellt, folgt bald Ernüchterung. Der Traumpartner? Ein Alptraum. Der kluge Manager? Ein Abfindungsmonster.

Wir nennen das kognitive Verzerrung. Die Wahrnehmung zeigt die Welt so, wie wir sie gerne hätten. Alle Warnungen blenden wir aus. Und so handeln wir dann – mit oft schlechten Ergebnissen. Nicht weil das Handeln schwach war, sondern die Wahrnehmung zuvor. Um dieser Täuschung für bessere Entscheidungen zu entgehen, müssen wir die Fallstricke des Wahrnehmens erkennen.

1957 präsentierte Noam Chomsky drei mentale Ursachen solcher Trugbilder: Tilgung, Verzerrung und Generalisierung. In der Tilgung blenden wir fast alles aus, was unseren Wünschen widerspricht: Der Wunsch nach Liebe lässt alle Warnschilder verschwinden. In der Verzerrung steigern wir uns in etwas hinein: Jemand wurde entlassen und weil das nicht sein darf, werden Unternehmen zu menschenverachtenden Ausbeutern. Die Generalisierung erzeugt aus wenigen Beispielen eine falsche Regel: Jemand wurde zweimal in einer intimen Beziehung hintergangen und behauptet generell: „Alle Männer (oder Frauen) sind…“

Studien zum Thema „motivierte Wahrnehmung“ zeigen, wie sehr unsere Wünsche, Hoffnungen und Ängste die Wahrnehmung beeinflussen. Dabei haben Tilgung, Verzerrung und Generalisierung auch positive Aspekte. Wenn wir ein Ziel verfolgen, blendet die Tilgung Störfaktoren aus. Verzerrung ist eine Quelle der Kreativität: Wir können auf einem leeren Grundstück bereits unser Haus mit Garten sehen. Generalisierung lässt uns lernen: Haben wir das Türöffnen per Schlüssel verstanden, müssen wir es nicht jedes Mal neu lernen.

Bei der Wirkungskette „Wahrnehmen – Einschätzen – Entscheiden – Handeln – Ergebnis“ denken wir meist zu sehr über das Handeln und zu wenig über das Wahrnehmen nach. Doch Sie sehen jetzt klarer und erkennen, wie und von wo aus Sie die Dinge betrachten und was Ihnen dabei den Blick verstellt. Sie schärfen diesen Blick, treffen bessere Entscheidungen und führen immer mehr das Leben, das Sie wirklich wollen. Wunderbar!

Der Autor ist Führungskräfteentwickler mit eigener Akademie, Vortragsredner und Autor.

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