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Mobilität Sind wir noch zu bremsen?

Die Beschlüsse des Diesel-Gipfels wirken wie eine Vertriebskampagne. Die Händler werden Hunderttausende neuer Fahrzeuge verkaufen. Das führt in die völlig falsche Richtung.

20.08.2017 11:19

Über 45 Millionen Pkw waren 2016 zugelassen, bei einer erwachsenen Bevölkerung von knapp 70 Millionen. Ein Rekord. Schon 2015 haben wir über 622 Milliarden Kilometer zurückgelegt und über 45 Milliarden Liter Kraftstoff verbraucht. Auch hier: Tendenz steigend!

Die Autoindustrie freute sich im vergangenen Jahr über 3,4 Millionen Neuzulassungen, 4,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Wie lange kann dieses Wachstum der Nachfrage noch anhalten?

Während die Diesel in den vergangenen Jahren immer beliebter wurden, führt nun der Diesel-Skandal zum bösen Erwachen bei den Besitzern: Ärger mit dem Nachrüsten – oder doch einen Neuwagen finanzieren?

Experten gehen davon aus, dass die Autoindustrie trotz der auf sie zukommenden Kosten insgesamt profitieren wird. Die beim Diesel-Gipfel beschlossenen Maßnahmen wirken wie eine gratis Vertriebskampagne. Die Hersteller werden Hunderttausende neuer Fahrzeuge verkaufen, statt in einer ansonsten drohenden Verkaufsflaute auf Überkapazitäten sitzen zu bleiben.

Die Zahl der Pendler bricht ebenfalls alle Rekorde. Laut Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung pendelten 2015 bundesweit 60 Prozent aller Arbeitnehmer. Zudem ist der Weg zur Arbeit länger geworden: im Durchschnitt fast 17 Kilometer pro Strecke! Das liegt auch daran, dass das Wohnen in den Städten immer teurer wird.

Diese Pendler verpesten nicht nur die Luft anderer, sie haben erwiesenermaßen auch selbst ein erhöhtes Risiko, psychisch krank zu werden. Weil sie so viel Zeit im Auto verbringen. Vielleicht auch, weil sie den Job gern wechseln würden, aber der Schuldendruck durch die abzuzahlenden Kredite für das Haus in der Vorstadt und den bequemen SUV ihnen keine Freiräume mehr lässt.

Solche Gesellschaftsstrukturen machen es den Menschen schwer, sich für einen nachhaltigen Lebensstil zu entscheiden. Helfen würde hier neben einer Geld- eine Grundsteuerreform, wie sie die Initiative „Grundsteuer: Zeitgemäß!“ vorschlägt. Investitionen in innerstädtischen Wohnraum dürfen nicht zu einer höheren Grundsteuer führen. Die vorhandene Infrastruktur muss besser ausgelastet und der Landschaftsverbrauch reduziert werden. Eine reine Bodensteuer ist nachhaltig und zeitgemäß.

Die Autorin ist stellvertretende Vorsitzende der Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung
(INWO).

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