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Management Die Wimmers sind wichtig

Lob der Wasserträger: Viele Mitarbeiter verdienen eine viele größere Wertschätzung.

21.06.2018 16:49

Passend zur Fußball-WM – ein bisschen Historie: Sicher kennen Sie Gerd Müller, Franz Beckenbauer und Paul Breitner. Aber kennen Sie auch Herbert „Hacki“ Wimmer? Seine Bilanz: Fünf Mal Deutscher Meister, je einmal DFB- und UEFA Cup-Sieger, Europameister 1972 und Weltmeister 1974 – was für eine herausragende Karriere. Welche Position er gespielt hat? Müller war Mittelstürmer, das weiß jedes Kind, Beckenbauer war Libero und Breitner Verteidiger. Hacki Wimmer aber war Wasserträger.

Das ist keine Position, meinen Sie? Stimmt, aber eine unverzichtbare Rolle. Bei Borussia Mönchengladbach war Wimmer der Typ, der Günter Netzer die Bälle zutrug und ihm den Rücken freihielt. Er war der, der die Kilometer abspulte auf dem Platz, der in zermürbenden Zweikämpfen das runde Leder eroberte, es aus der Verteidigung ins Mittelfeld schleppte und dann dafür sorgte, dass beim Konter nichts anbrannte, wenn die Genies vorne mal wieder geschlampt hatten. Kurz: Er war der, der die Arbeit machte, damit die anderen glänzen konnten.

Im Management ist das nicht anders. Es gibt die kühnen Visionäre, die großen Strategen und die starken Anführer, aber auch die vielen, die unermüdlich dafür sorgen, dass deren Licht überhaupt erst erstrahlt. Vieles in Unternehmen und Organisationen würde besser laufen, wenn die Wasserträger das Ansehen hätten, das ihnen zusteht.

Dann würden nicht alle das ganz große Rad drehen wollen und durcheinanderreden, statt anzupacken. Ein wichtiger Job wurde nicht erledigt, weil man zum unwichtigen Strategiemeeting musste? Leider ein falscher Automatismus, gespeist aus der Sehnsucht nach der gottgleichen Bedeutung, die man scheinbar nur im Firmenolymp erwirbt.

Natürlich muss es auch im Management die Strategen und die punktgenauen Umsetzer geben. Aber den fleißigsten und zuverlässigsten Kollegen, ohne den man selbst nichts wäre, nur als brave Arbeitsbiene zu betrachten, ist ein kardinaler Führungsfehler.

Nicht nur im Fußball steht Deutschland vor großen Aufgaben. Statt immer nur die managen zu lassen, die gut reden, sollte man besser die reden lassen, die gut managen. Denn wer den Wimmer nicht ehrt, ist als Netzer nichts wert.

Der Autor ist Unternehmer sowie Veränderungsexperte. Zuletzt
erschien von ihm „Konsequenz! Management ohne Kompromisse –
Führen mit Klarheit und
Aufrichtigkeit“ (Ariston-Verlag).

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