Lade Inhalte...

Mächtige Megafonds Mehr Kontrolle, bitte!

Blackrock & Co. können tun, was sie wollen. Die Politik muss reagieren, sonst wird sie sich irgendwann den Vorgaben der Megafonds fügen müssen.

08.02.2017 17:17

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit haben sich die Machtverhältnisse in der Wirtschaft verändert. Nicht mehr reiche Familien oder große Banken geben den Ton in Großkonzernen an, sondern Megafonds. Der größte von ihnen heißt Blackrock, auf Deutsch „schwarzer Fels“. Er hat einen beherrschenden Einfluss auf deutsche Konzerne ebenso wie auf die Weltwirtschaft. Das hat Folgen für die Märkte, für die Beschäftigten und für die Regierungen. Die Megafonds sind milliardenschwer, weil sie das Geld von Unternehmen, von Superreichen, von Stiftungen, auch von Pensionskassen verwalten und investieren. Blackrock betreut Vermögen von etwa 4700 Milliarden US-Dollar – das entspricht mehr als der deutschen Wirtschaftsleistung pro Jahr. Insgesamt verwalten die zehn größten Megafonds der Welt ein Vermögen, das dem Bruttoinlandprodukt der Europäischen Union entspricht. Blackrock ist an allen dreißig Dax-Konzernen beteiligt. In zehn Unternehmen ist er der größte Einzelaktionär. An 282 von 300 Weltkonzernen besitzt der „schwarze Fels“ Anteile.

Mächtig wurden die Megafonds durch die Finanzkrise. Während die Banken wenigstens ein wenig reguliert werden, gelten die Fonds nicht als Banken. Also gilt: Regulierung Fehlanzeige. Kontrolle Fehlanzeige,

Sie können schalten und walten, wie sie wollen. Und das tun sie. Bei seinen Investitionen stützt sich Blackrock auf ein gigantisches Computersystem. Ungezählte Analysten arbeiten an 5000 Großrechnern. Unter Kennern gilt es als machtvollstes System zur Analyse von Unternehmens- und Wirtschaftsdaten. Diese Analysen dienen dazu, die Investitionen täglich auf die höchst mögliche Rendite auszurichten.

Dabei kümmern sich anonyme Eigentümer wie Blackrock kaum um ethische Ziele ihrer Unternehmen. Wenn es der Rendite dient, strukturieren sie Unternehmen kompromisslos um. Sie haben Konten in Steueroasen und ihre politische Lobbyarbeit ist legendär. Blackrock-Chef Larry Fink trifft sich regelmäßig mit Politikern und Zentralbankern.

Aufgrund ihrer Macht müssen die Megafonds viel stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Die Regierungen stehen letztlich vor der Wahl: Entweder schaffen sie einen globalen Gesetzesrahmen, dem sich die Fonds fügen müssen – oder die Politik wird sich irgendwann den Vorgaben dieser Fonds fügen müssen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen